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Nervosität steigt: Anzeichen einer neuen Finanz-Krise

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Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, dass sich die Banken in der Euro-Zone auf eine neue heftige Krise vorbereiten.

In den vergangenen Wochen haben verschiedene wichtige Player an  den Finanzmärkten erkennen lassen, dass sie sich auf eine neue Finanzkrise einstellen. Am Freitagmorgen zeigten sich an den asiatischen Börsen erhebliche Verluste, die auf eine insgesamt angespannte Stimmung hindeuten. 

Der bisherige Höhepunkt war der Auftritt von EZB-Chef Mario-Draghi am Donnerstag, bei dem die EZB eine neue Kreditlinie für die Banken im Euro-Raum (TLTRO) bekanntgegeben hat. Damit hat die EZB klargemacht, dass sie weiter billiges Geld in den Finanzsektor pumpen wird und damit eingestanden, dass die jahrelange rettende Geldpolitik strukturell keine Stabilität im Euro-Raum gebracht hat.

Bereits im Februar hatte Bloomberg in einer Analyse erläutert, dasss die Banken in Italien, Frankreich, Deutschland und Spanien insgesamt  425 Milliarden Euro an italienischen Staatsschulden und Schulden aus dem privaten Sektor Italiens in ihren Büchern halten. 

Bloomberg schreibt:

„Europas bestehende Rettungsmechanismen wurden während der letzten Schuldenkrise bei laufendem Betrieb zusammengeschraubt. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt die Steuerfalken in Schach, während der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, den Markt mit Liquidität überschwemmte.

Aber Draghi wird in diesem Jahr verschwunden sein und Merkels Macht wird schwächer. Schlimmer ist, dass Italiens Finanzierungsbedarf die vorhandene Kapazität der Rettungsfonds des Europäischen Stabilitätsmechanismus (410 Milliarden Euro) in nur einem Jahr erschöpfen würde.

Dann müsste die nächste Generation europäischer Staats- und Regierungschefs die Kosten für das Zusammenhalten ihrer Währungsunion noch einmal abwägen.“

In Italien hat die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore ein Papier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ausgegraben, wonach Gold einen neuen Stellenwert in der Risikogewichtung der Banken erhält.  Das Interessante dabei ist das Datum: Die BIZ erlaubt es den Banken, ab dem 29. März – dem Zeitpunkt des Brexit –  Gold als risikofrei zu gewichten. Niemand kann nämlich vorhersagen, welche Reaktion die Märkte beim Brexit zeigen werden.

Die Zeitung schreibt:

„Die Maßnahme der BIZ trägt die Unterschrift der FED, der EZB, der Bundesbank, der Bank of England und der Bank of France, der G-5 der großen globalen Währungsmächte. Im Jahr 2016, als die neuen Regeln des Bankensystems, die im Paket „Basel 3“ enthalten sind, definiert wurden, hat der Zentralbankenkomitee eine epochale Norm eingefügt, über die bisher noch niemand öffentlich gesprochen hat. In der Praxis wird Gold in „physischem“ Barren – also nicht in der „synthetischen“ Form als Zertifikate – von den Aufsichtsbehörden als Äquivalent des Dollars und des Euro in Bezug auf die Sicherheit von Vermögenswerten betrachtet, wodurch die Verpflichtung zur Gewichtung des Wertpapiers entfällt Risiko zum Zweck der Kapitalaufnahme wie bei allen anderen finanziellen Vermögenswerten, mit Ausnahme der Staatsanleihen der Eurozone (vorerst).

Der Wendepunkt ist für den Goldmarkt und für die Rolle der nationalen Goldreserven nicht unerheblich. Das Ergebnis ist bedeutend: Mit den neuen Regeln von Basel 3 erhält Gold denselben Status, der jetzt für Staatsanleihen in den Bankbilanzen der Banken anerkannt wird. Es stellt sich daher die Frage: Ist die Förderung von Gold die Voraussetzung für die Anwendung einer Risikogewichtung auf die von Banken gehaltenen Staatspapiere? Aufgrund der Schuldenkrise hatten die Regulierungsbehörden in der Tat ein zweifaches Ziel: Dem Bankensystem aufzuerlegen, ein angemessenes Eigenkapital zu halten, um das Ausmaß der Risiken abzudecken. Im Fadenkreuz befinden sich hauptsächlich die Staatspapiere, die nach aktuellen Regeln von Banken gehalten werden können, ohne dass dies Auswirkungen auf ihr Vermögen hat. Das Thema betrifft hauptsächlich Länder mit niedrigem Rating wie Italien, Spanien, Portugal und Griechenland, die nach der Schuldenkrise 2011 als besonders angesehen wurden.“

Auch in Deutschland mehren sich die Anzeichen von Nervosität – wenngleich alle Beteiligten versuchen, das Thema aus den Schlagzeilen zu halten. Spätestens seit dem Besuch von Bundesfinanzminister Olaf Scholz in der deutschen Botschaft in London Ende Februar, als Scholz laut FT mit Investmentbankern über eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank gesprochen hatte, ist jedoch klar, dass man auch in Berlin auf Krisenvorbereitung setzt. Laut Bloomberg vom Freitag soll nun auch das Management der Deutschen Bank auf Linie gebracht worden sein. Die Manager hatten – mit guten Gründen – dem Fusionsansinnen bisher eine Abfuhr erteilt. Wie Banken-Insider sagen, würde eine Fusion vor allem den französischen und US-amerikanischen Konkurrenten der Deutschen nützen, weil das Institut durch einen Merger monatelang so gut wie handlungsunfähig würde.

Für die Bundesregierung hätte die Fusion allerdings den Vorteil, dass eine gemeinsame Bank über die Beteiligung des Bundes an der Commerzbank faktisch verstaatlicht würde. Im Krisenfall könnten so die europäischen Bail-In-Regelungen ausgehebelt werden. Die Reaktion der Investoren bei einer drohenden Gläubigerbeteiligung im deutschen Bank-Sektor könnte leicht unkontrollierbar werden. Angesichts des nahenden Brexit-Datums Ende März und der immer noch völlig ungeklärten Folgen eines ungeordneten Austritts möchte man in Berlin vor allfälligen heftigen Verwerfungen gewappnet sein.