Kategorien Finanzen

Deutschland erlebt Fiasko bei Bund-Auktion

Veröffentlicht am

Die Auktion von langfristigen deutschen Staatsanleihen geriet zum Fiasko. Erstmals zeigten Investoren, dass es Grenzen für die Negativ-Zinsen gibt.

Frankfurt, 21. August (WNM) – Die Auktion der 30-jährigen Bunds geriet am Mittwoch zum Desaster: Von den angebotenen 2 Milliarden Euro konnte die Bundesbank nur Papiere für 824 Millionen Euro an den Mann bringen. Technisch gesehen ist die Auktion demnach fehlgeschlagen, weil die Bundesbank auf etwa 60 Prozent der Bunds sitzen blieb.

Die Bundesbank hatte die Papiere mit einer Rendite unter null Prozent angeboten. Die durchschnittliche Rendite bei minus 0,11 Prozent, teilte die Deutsche Finanzagentur am Mittwoch mit. Dies bedeutet, dass Investoren dafür bezahlen, dem Bund Geld zu leihen. Coupon gab es diesmal gar keinen, das heißt, die Investoren zahlen eine Art Parkgebühr für ihr Geld..

Das Verhältnis von Geboten zur Angebotsgröße war laut Peter McCallum, Zins-Spezialist bei Mizuho, das schwächste seit mindestens 2011.

„Es sieht ziemlich schlecht aus“, sagte McCallum der Financial Times: „Ich glaube, es gab eine gewisse Sorge. Es dürfte Leute geben, die sich Sorgen machten, dass eine schwache Auktion ein Wendepunkt sein könnte.“

Der relativ große Umfang eines 30-jährigen Verkaufs hätte wahrscheinlich auch einige potenzielle Käufer abgeschreckt, fügte McCallum hinzu.

Die FT schreibt zur grundsätzliche Bedeutung der Auktion: „Der Verkauf wurde als ein wichtiger Test für die Nachfrage nach langfristigen Schulden angesehen, die sich in diesem Jahr dramatisch erholte. Einige Analysten warnten vor Parallelen zu Anfang 2015, als sich die Anleihen vor Beginn der QE der EZB erholten, und gaben nach ihrem Beginn stark nach. Zu den Auslösern des Ausverkaufs gehörte dann ein nicht gerade überzeugendes Auktionsergebnis.“

Tatsächlich zeigt das Fiasko, dass die Negativzins-Spirale an ihr Ende gekommen ist. Die meisten wichtigen Schuldtitel sind langfristig, und es ist nicht zu erwarten, dass Investoren sich anderswo anders verhalten werden als bei den Bunds. Diese haben bisher immerhin einen „sicheren Hafen“ dargestellt, und Investoren waren bereit, ziemlich weit mitzugehen, um die Papiere halten zu dürfen.

Verschärft wird die Lage durch die gegenteilige Entwicklung in China: Dort stiegen Investoren am Mittwoch im großen Stil aus höher rentierlichen, risikoreichen Titeln aus und zogen Kapital ab.

Mit dieser Entwicklung könnte sich die Crashgefahr beträchtlich erhöht haben. Zumindest wird sie der EZB einige schlaflose Nächte bereiten, weil nun offenkundig ist, dass die Zinspolitik mit Negativzinsen nicht beliebig ausgeweitet werden kann. Denn Anleger bekommen für US-Staatsanleihen immerhin zwei Prozent Rendite.

Bloomberg sieht den deutschen Flop noch nicht als Menetekel an. Der Finanzdienst schreibt unter der Überschrift „Did Germany just burst the bond market bubble?“: „Deutschland mag mit den negativen Zinsen bei dieser Auktion einen Schritt zu weit gegangen sein, aber da immer mehr erstklassige Vermögenswerte von der EZB aufgesaugt werden, wird die Nachfrage früh genug zurückkehren – insbesondere wenn die wirtschaftliche Schwäche anhält.“

Die EZB wird demnach vermutlich versuchen, im September die noch größere Bazooka zum Einsatz zu bringen. Mehr als ein Zeitgewinn, um die Asset-Blasen weiter am Leben zu halten, ist auch für die EZB nicht mehr drin.