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Zentralbanken diskutieren Ende des Dollar als Weltwährung

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Erstmals diskutieren die Zentralbanken offen über eine Reform des weltweiten Geldsystems die Einführung einer „synthetische Welt-Währung“ statt des Dollar.

Jackson Hole, 24. August (WNM) – Bei diesjährigen Treffen der Zentralbanker in Jackson Hole hat Mark Carney, der Chef der Bank of England, vorgeschlagen, das Ende der Ära des Dollars als Weltleitwährung einzuleiten.

Langfristig, so Carney laut Financial Times, bestehe die Lösung der aktuellen Ungleichgewichte durch den Dollar darin, aktiv eine multipolare Weltwirtschaft zu schaffen. Dies sei sinnvoller als auf Chinas Renminbi zu warten, um den Dollar herauszufordern.

Zu diesem Zweck schlägt Carney eine Verstärkung der Überlegungen zur Schaffung einer globalen elektronischen Währung vor, die als „synthetische Hegemonialwährung“ fungieren  … und vielleicht über ein Netzwerk digitaler Währungen der Zentralbanken gesteuert werden könnte.“

Dies könne „den vorherrschenden Einfluss des US-Dollars auf den Welthandel dämpfen“, sagte er, was bedeute, dass die US-Schocks weltweit nicht so nachwirken würden wie jetzt.

„Die Mängel des internationalen Währungs- und Finanzsystems sind immer schlimmer geworden“, sagte Carney. „Selbst eine flüchtige Beschäftigung mit der Geschichte des Geldes lässt vermuten, dass der Dollar als Zentrum nicht Bestand haben wird.“

Die Aussagen von Carney wurden von vielen unterschiedlich positionierten Gruppen aufgegriffen und – den jeweiligen Interessen entsprechend – eingeordnet. So sehen Kritiker die aktuelle US-Hegemonie, die mit militärischer Gewalt und finanzieller Repression auf Grundlage des Dollar durchgesetzt werden kann, als verwerflich an und wollen sie beenden. Bitcoin-Fans können sich vorstellen, dass eine Kryptowährung an Stelle des Dollar tritt. Gold-Anleger hoffen, dass die neue Währung goldgedeckt ist. Trump-Gegner hoffen, dass eine Schwächung des Dollar Trump schwächen werde. Trump Fans hoffen, dass eine Schwächung des Dollar-Kurses die US-Exporte ankurbeln könnte.

Kritiker von Carney sagen, der BoE-Chef sei nur noch wenige Monate im Amt und habe daher eine eher spekulative Aussage getroffen. Diese Kritiker verkennen jedoch, dass Carney als früherer Goldman Sachs-Banker immer noch bestens mit den Goldman Sachs-Leuten in der US-Administration vernetzt ist und eine solche Idee kaum lancieren würde, wenn nicht US-Finanzminister Steven Mnuchin (Goldman) an solchen Überlegungen teilhaben würde.

Tatsächlich beschäftigt sich Jackson Hole laut Bloomberg vorrangig mit dem Problem der weltweiten Dollar-Verschuldung. Diese ist mittlerweile so hoch, dass an ein kontrolliertes Weg-Inflationieren in einzelnen Schwellen-Ländern nicht mehr zu denken ist.

Eine globale Währungsreform könnte dagegen auch die geopolitischen Karten neu mischen: Sie wäre de facto eine globale Umschuldung – eine Maßnahme, die den Gläubigern zwar nicht gefallen dürfte, die aber von Experten seit Jahren als einziger Ausweg aus der globalen Schuldenkrise gesehen wird.

Die konkrete Durchführung könnte verschiedene Elemente enthalten. Faktisch dürfte die schiere Debatte die anhaltende Flucht in Sachwerte beschleunigen, weil Geld in seiner klassischen Form eines Tages weltweit seine Bedeutung und damit seinen Wert verlieren könnte.