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EZB am Scheideweg: Zentralbank könnte Pulver verschossen haben

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Die Europäische Zentralbank (EZB) berät am Donnerstag über die Zinssätze für den Euroraum. Die Entscheidung könnte in jede Richtung gehen, weil viele Beobachter glauben, dass die Zentralbank ihr Pulver zur Stimulierung der Wirtschaft bereits verschossen hat.

Frankfurt, 12. September (AFP) – Angesichts aktueller Handelskonflikte, schwacher Konjunktur und einer aus EZB-Sicht zu niedrigen Inflation wird erwartet, dass die Zentralbank eine weitere Absenkung des Einlagezinses von momentan minus 0,4 Prozent verkündet. Für Banken würde es damit noch teurer, Geld bei der Notenbank einzulagern.

Es gibt Befürchtungen, dass Banken diesen Strafzins auf Privatkunden abwälzen könnten. Denkbar ist am Donnerstag aber auch eine Staffelung der Zinssenkung, um unerwünschte Effekte für Banken und ihre Kunden abzufedern. Uneins sind Finanzexperten dagegen, ob die EZB neue Anleihekäufe beschließt. Dagegen gab es zuletzt auch Bedenken aus Reihen der EZB.

Die Europäische Zentralbank könnte am Donnerstag neue Anreize zur Stützung der angeschlagenen Wirtschaft der Eurozone vorlegen, aber ihre genauen Schritte sind alles andere als sicher und eine Entscheidung, die die Märkte unter Druck setzt, könnte die Kreditkosten in die Höhe treiben.

Angesichts der Lockerung der Geldpolitik durch andere wichtige Zentralbanken und der Gefahr eines Rückgangs Deutschlands in die Rezession und eines Rückgangs der Inflationserwartungen hat EZB-Präsident Mario Draghi mehr Unterstützung zugesagt und alle verbleibenden Instrumente der Bank ins Spiel gebracht.

Draghi, der die Führung der Zentralbank Ende Oktober an Christine Lagarde übergibt, wird jedoch von konservativeren Mitgliedern seines EZB-Rates unter Druck gesetzt.

Einige politische Entscheidungsträger haben sich konzertiert und öffentlich gegen radikalere Anreizmaßnahmen ausgesprochen, insbesondere gegen die Wiederaufnahme von Anleihekäufen, die als quantitative Lockerung bezeichnet werden.

Darüber hinaus haben Draghis zurückhaltende Gespräche die Erwartungen der Anleger so stark erhöht, dass es schwierig sein wird, diese zu erfüllen, so dass die EZB enttäuscht werden könnte. Dies könnte dazu führen, dass die Marktzinsen eher steigen als fallen.