IfW: Zeitverlust durch generelles Tempolimit kostet mehr die eingesparten CO2-Emissionen

| 14. September 2020, 6:58

KIEL, 13. September (WNM/Institut für Weltwirtschaft/Guido Warlimont) – Befürworter begründen ein generelles Tempolimit auf Autobahnen vor allem mit niedrigeren Emissionen im Autoverkehr. Langsameres Fahren leiste ohne bedeutende Mehrkosten einen Beitrag zum Klimaschutz, schreiben das Umweltbundesamt und der Verkehrsclub Deutschland

Tatsächlich seien die Kosten jedoch erheblich und damit auch unangemessen hoch im Verhältnis zu den erreichbaren Einsparungen, meint das Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) in einem neuen Kiel Policy Brief: „Die beiden Studien ignorieren, dass der langsamere Verkehr zu Zeitverlust und damit Kosten für die Fahrenden führt“, sagt Research-Center-Leiter Ulrich Schmidt. 

Er unterstellt die vom Umweltbundesamt genannten jährlichen Fahrleistungen auf deutschen Autobahnen und errechnet die durchschnittlichen längeren Fahrzeiten entsprechend der vorgeschlagenen Tempolimits. Setzt man für die Zeitverluste einen üblichen Stundenlohn an, ergeben sich – unter Berücksichtigung der gesparten Treibstoffe – Wohlfahrtsverluste für die deutsche Volkswirtschaft zwischen 1,3 Milliarden Euro (Tempolimit 130) und 7,3 Milliarden Euro (Tempo 100). Setzt man nun diese Kosten ins Verhältnis zu den Schätzungen durch ein Tempolimit vermeidbaren CO2-Emissionen, ergibt sich ein Preis von 716 bis 1.382 Euro je vermiedener Tonne CO2. Das sind hohe Kosten im Verhältnis zu anderen Möglichkeiten, Emissionen einzusparen. 

„Aus volkswirtschaftlicher Kosten-Nutzen-Sicht ist ein generelles Tempolimit zwischen 100 und 130 km/h als Maßnahme für den Klimaschutz daher abzulehnen“, so Schmidt. Stattdessen sollte die Verkehrspolitik zwischen Umweltbelastungen unterscheiden, die zeit- und ortsunabhängig auftreten und solchen, die dies nicht tun, rät Schmidt. 

Zur ersten Kategorie gehören Treibhausgasemissionen, weil es für den Klimaschutz irrelevant ist, wann und wo sie auftreten. Um diesen zu begegnen, wäre ein einheitlicher Preis für CO2-Emissionen die effiziente Maßnahme. Entsprechend sollte der Verkehr in das europäische Emissionshandelssystem aufgenommen werden. Für zeit- und ortsabhängige Umweltschäden, etwa die Emissionen von Feinstaub oder Lärm durch Autos, wären zeit- und ortsabhängige Straßennutzungsgebühren ein effizientes Mittel. Auch lokale oder verkehrsabhängige Tempolimits können geeignet sein. 

Quelle: Institut für Weltwirtschaft