Corona-Immunitätspass wäre ein Anreiz sich absichtlich zu infizieren

| 7. Mai 2020, 8:33

GEORGETOWN, 6. Mai (WNM/Johns Hopkins-Zentrum für Gesundheitssicherheit) - Mit zunehmendem Interesse an der weit verbreiteten Verwendung serologischer Tests für SARS-CoV-2 werden auch Vorhaben über die Verwendung einer offiziellen Dokumentation des Immunitätsstatus als Grundlage für die Wiederaufnahme sozialer Aktivitäten diskutiert.

Diese sogenannten „Immunitätspässe“ oder „Immunitätszertifikate“ werfen eine Vielzahl von technischen, sozialen, ethischen und rechtlichen Fragen auf.

Ein in The Lancet veröffentlichter Kommentar befasst sich mit einigen dieser Herausforderungen. Die Autorin, Dr. Alexandra Phelan, hebt technische Hindernisse hervor, einschließlich der Unsicherheit hinsichtlich des Grades und der Dauer der durch die SARS-CoV-2-Infektion verliehenen Immunität und der Auswirkungen falsch positiver und negativer Testergebnisse (https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)31034-5/fulltext).

Darüber hinaus könnten verschiedene soziale und wirtschaftliche Faktoren Anreize für Menschen schaffen, sich absichtlich selbst zu infizieren. Es würden sich aber auch ein Nährboden für Korruption und zunehmende sozioökonomische Ungleichheiten bilden. Rechtliche Hindernisse, einschließlich der Gewährleistung eines angemessenen Schutzes von Personen, unabhängig vom Immunstatus oder dem Vorhandensein von Risikofaktoren wie Alter oder zugrunde liegenden Gesundheitszuständen, und „Immunitätspässe würden die Gefahr mit sich bringen, eine solche Diskriminierung gesetzlich zu verankern.“

Über das Heimatland hinaus könnte die Verwendung der Immunität zur Bestimmung der Berechtigung für internationale Reisen sowohl hinsichtlich des gesundheitlichen Nutzens (unter Berücksichtigung der technischen Herausforderungen bei der Durchführung und Interpretation der Tests) als auch hinsichtlich der diskriminierenden Auswirkungen eine Herausforderung darstellen.

Dr. Phelan argumentiert, dass es einen grundlegenden Unterschied zwischen „Immunitätspässen“ aufgrund einer Infektion gibt, wie dies derzeit bei SARS-CoV-2 der Fall wäre, und solchen, die auf Impfungen beruhen, wie beispielsweise bei Gelbfieber. Ohne einen SARS-CoV-2-Impfstoff würde ein „Immunitätspass“ nur einen Anreiz für eine Infektion darstellen.

Die US-amerikanische FDA hat ihre Richtlinien zur Verwendung serologischer Tests mittlerweile überarbeitet. Angesichts der zunehmenden Anzahl und Verfügbarkeit serologischer Tests in den USA gab die FDA bekannt, dass Unternehmen, die serologische Tests entwickeln, nun eine Genehmigung für den Notfall (EUA) für die Tests einholen müssen, einschließlich der Übermittlung relevanter Validierungsdaten (https://www.fda.gov/news-events/fda-voices/insight-fdas-revised-policy-antibody-tests-prioritizing-access-and-accuracy). Die FDA veröffentlichte auch Mindestleistungsstandards für serologische Tests, sowohl Sensitivität als auch Spezifität, um ein angemessenes Maß an Genauigkeit sicherzustellen.

Die FDA veröffentlichte auch EUA-Einreichungsvorlagen sowohl für kommerziell entwickelte serologische Tests als auch für solche, die in CLIA-zertifizierten Labors entwickelt wurden. Ziel der Richtlinienänderung ist es, die Aufsicht und damit die Qualität der verfügbaren serologischen Tests zu verbessern.