Studie: Raucher erkranken seltener an Covid-19

| 11. Mai 2020, 7:35
Smoker (Sajjad Zabihi on Unsplash)

PARIS, 10. Mai (WNM/Economist) - Gewohnheitsmäßige Raucher sind unter den in Krankenhäusern zu Behandelnden Corona-Fällen deutlich unterrepräsentiert. Raucher, schreiben Autoren einer Studie des Krankenhauses Pitié-Salpêtrière in Paris, „leiden viel seltener“ stark unter SARS-CoV-2, dem Virus, das Covid-19 verursacht. Selten sei so ein Ergebnis in der Medizin zu beobachten (https://www.qeios.com/read/FXGQSB.2). 

Raucher sind mit ziemlicher Sicherheit nicht vor einer Erstinfektion durch Sars-Cov-2 geschützt. In der Tat könnten Raucher sogar besonders anfällig sein, da sie zuerst mit Zigaretten hantieren und dann pusten - denn die Übertragung erfolgt häufig über die Schleimhäute des Mundes, schreibt der Economist.

Was zu passieren scheint, ist, dass infizierte Raucher weniger wahrscheinlich Symptome entwickeln oder, wenn sie diese entwickeln, häufiger als Nichtraucher milde Symptome haben. Das bedeutet, dass sie eher zu Hause bleiben und nicht in der Krankenhausstatistik aufscheinen. 

All dies deute darauf hin, dass etwas im Tabakrauch eine schützende Wirkung hat. Die eheste Vermutung sei, dass es Nikotin sein könnte. 

In Zusammenarbeit mit dem französischen Gesundheitsministerium wollen Organisationen aus dem Umfeld des Pitié-Salpêtrière, zu denen das Pasteur-Institut und die Sorbonne gehören, weitere Versuche vornehmen. Es sei geplant, Covid-19-Patienten, Arbeitnehmern aus der Gesundheitsbranche und „normalen“ Bürgern Nikotinpflaster anzubieten. Die Ergebnisse sollen mittels Kontrollgruppen verglichen werden, denen ein Placebo verabreicht wurde. 

Es wird nicht angenommen, dass Nikotin Sars-Cov-2 direkt angreift. Es kann jedoch eine indirekte Rolle spielen, an der ein Zellmembranprotein namens Ace2 beteiligt ist, an das sich das Virus bindet, um Zugang zu einer Zelle zu erhalten. Nikotin kann auch die durch die Infektion verursachte Entzündung lindern – eine Hypothese, die durch seine Verwendung zur Behandlung von entzündetem Darm gestützt wird. 

Die neue französische Studie, die voraussichtlich in zwei Wochen beginnen wird, könnte auch eine weitere mögliche therapeutische Wirkung von Nikotin beleuchten: Schwerkranke mit Covid-19 sind häufig anfällig für eine hyperaktive Immunantwort, die als Zytokinsturm bezeichnet wird. Zytokine sind eine Gruppe von Signalmolekülen.

Anti-Raucher-Aktivisten wollten unbedingt darauf hinweisen, dass diese Ergebnisse keine Empfehlung für Rauchen seien. Wenn sich einige glückliche Raucher den schlimmsten Auswirkungen von Covid-19 entzogen haben, kann kaum gesagt werden, dass ihre Handlungen Teil eines gut durchdachten Plans waren.