Corona-Folgen: Öl- und Gassektor wird nie wieder derselbe sein

| 2. April 2020, 6:30

LONDON, 1. April (WNM/Guardian) - Die sinkende Nachfrage nach Öl, die durch die Coronavirus-Pandemie in Verbindung mit einem Preiskampf hervorgerufen wurde, hat laut Analysten die fossile Brennstoff-Industrie für immer verändert, schreibt der Guardian. 

Der Sektor steht vor der größten Herausforderung in seiner 100-jährigen Geschichte, die die Branche dauerhaft verändern wird. Einige Beobachter beschreiben die Lage als „Höllenlandschaft“, andere als „beispiellos“.

Eine zentrale Frage ist, ob dies den Verlauf der Klimakrise dauerhaft verändern wird. Viele Experten glauben, dass es durchaus möglich sein könnte, indem die Corona-Krise den Zeitpunkt vorverlegt hat, an dem die Nachfrage nach Öl und Gas ihren Höhepunkt erreicht hat, nie wieder derartige Niveaus erreicht und sich die Atmosphäre allmählich erholen kann. 

2019 könnte somit als Spitzenjahr für Kohlenstoffemissionen in die Geschichte eingehen. Einige Stimmen sind jedoch anderer Meinung: Die Industrie für fossile Brennstoffe werde sich wie immer erholen, und günstige Ölpreise werden den Übergang zu grüner Energie verlangsamen.

Wer Recht hat, hängt von einer Mischung aus Geopolitik, Gewinn, Anlegerstimmung, staatlichen Rettungsaktionen und Netto-Null-Emissionszielen, dem Druck der Aktivisten und nicht zuletzt dem Verbraucherverhalten selbst ab. 

Was außer Zweifel steht, ist das „Gemetzel“ in der Branche. Die Börsenwerte einiger Ölkonzerne haben sich seit Januar halbiert. Mindestens zwei Drittel der jährlichen Investitionen - 130 Milliarden US-Dollar - wurden abgeblasen und zehntausende Arbeitsplätzen abgebaut. In einigen Märkten sind die Preise negativ geworden - Käufer werden dafür bezahlen, Öl zu nehmen, wenn die globale Lagerkapazität erreicht ist. 

„Der Preiskampf und Covid-19 haben den Öl- und Gassektor wirklich in Aufruhr versetzt, und jetzt haben wir Unternehmen  im Überlebensmodus“, sagte Valentina Kretzschmar, Direktorin für Firmenanalysen bei Wood Mackenzie, zum Guardian.

Ölquellen, die für fast 1 Million Barrel pro Tag Produktionskapazität wurden wahrscheinlich bereits stillgelegt, da der Ölpreis nach Angaben des US-Bankenriesen Goldman Sachs jetzt niedriger ist als die Transportkosten. Die Anzahl der Bohrungen wachse „von Stunde zu Stunde“. Dies dürfte „die Energiewirtschaft und die Geopolitik dauerhaft verändern“ und „die Debatte um den Klimawandel verschieben“, sagte Jeffrey Currie, Leiter Rohstoffe bei der Bank.