Experten warnen: Corona-Krise könnte letzte Chance für die EU sein

| 3. April 2020, 6:20

LONDON, 2. April (WNM/Guardian) - Experten warnen im Guardian davor, dass die Pandemie destruktivere Folgen für die EU haben werde als die Brexit-, Migrations- und Finanzkrise, sollten die derzeitige Spannungen weiter bestehen.

Die Europäische Union hat die Eurozonen-Finanzkrise, die Migrationskrise und den Brexit überstanden. Aber Beobachter befürchten, dass das Coronavirus noch zerstörerischer sein könnte: 

Jacques Delors, der frühere Präsident der Europäischen Kommission, der beim Aufbau der modernen EU mitgewirkt hat, hatte vergangenes Wochenende davor gewarnt, dass mangelnde Solidarität „eine tödliche Gefahr für die Europäische Union“ darstelle. 

Enrico Letta, ehemaliger italienischer Premierminister, sagte, die EU sei durch die globale Pandemie einem „tödlichen Risiko“ ausgesetzt. „Wir stehen vor einer Krise, die sich von früheren Krisen unterscheidet“, sagte er dem Guardian - teils wegen des unvorhersehbaren Fortschreitens des Virus, teils weil der „Europäismus“ durch andere Krisen des letzten Jahrzehnts geschwächt wurde.  

„Der kommunitäre Geist Europas ist heute schwächer als vor 10 Jahren“, sagte er und fügte hinzu, dass die größte Gefahr für die EU „das Trump-Virus“ sei. Wenn alle die Strategie „Italien zuerst“, „Belgien zuerst“ oder „Deutschland zuerst“ verfolgen, dann „werden wir alle gemeinsam untergehen“. 

„Dies ist definitiv ein Make-it-or-Break-it-Moment für das europäische Projekt“, sagte Nathalie Tocci, eine ehemalige, hochrangige EU-Beraterin. „Wenn es schlecht läuft, besteht die Gefahr, dass die Gemeinschaft endet. Es treibt den gesamten nationalistischen Populismus an.“ 

Sie weist jedoch darauf hin, dass der Matteo Salvini in Italien in den Umfragen verloren hat, während die Popularität des zum Premierminister gewordenen Rechtsprofessors Giuseppe Conte gestiegen ist. „In mancher Hinsicht will die Öffentlichkeit tatsächlich die rationale, gemäßigte, beruhigende, aber bestimmte Art von Führung.“