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Zornige Greta Thunberg liefert Wutrede, wie sie die UN noch nie erlebt hat

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Greta Thunberg hat in einem emotionalen Auftritt die Politiker und wirtschaftlichen Entscheider wegen deren Untätigkeit beim Klima massiv attackiert.

New York, 23. September (AFP) – Der Klimagipfel beginnt mit einer Wutrede, wie sie die UNO noch nie erlebt hat. Denn es ist kein Staats- oder Regierungschef, der seinen Zorn entlädt, sondern eine 16-Jährige. Greta Thunberg beschuldigt die am Montag in New York zu einem Klimagipfel versammelten Staatenlenker, die Bedrohung des Planeten nach wie vor kleinzureden und in ihrer Verantwortung für die junge Generation zu „versagen“. Aber die jungen Leute hätten begonnen, „diesen Verrat zu verstehen“, ruft Thunberg aus. 

„Wie können Sie es wagen!“ – Diesen Satz schleudert Thunberg gleich mehrfach den Staatenlenkern entgegen. „Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme kollabieren. Wir sind am Anfang eine Massen-Aussterbens, und alles, worüber Sie reden können, sind Geld und Märchen von ewigem wirtschaftlichen Wachstum. Wie können Sie es wagen!“ Mehrfach scheint die zornige und zierliche Anklägerin auf der Bühne den Tränen nahe.

Parallel zum Klimagipfel haben Thunberg und 15 andere junge Aktivisten eine Menschenrechtsbeschwerde bei der UNO eingereicht, die sich auch gegen Deutschland richtet. Das von ihnen angeprangerte Versagen der Regierungen in der Klimapolitik sehen die jungen Leute als Verstoß gegen die Kinderrechte.

Die Kanzlerin spricht kurz danach. Zwar antwortet sie nicht direkt auf Thunberg. Doch dass sie den Vorwurf der Tatenlosigkeit nicht auf sich sitzen lässt, wird mehr als klar. Das gerade noch rechtzeitig vor dem Gipfel von ihrer Regierung auf den Weg gebrachte Klimaschutzpaket bezeichnet Merkel als Beginn eines „tiefgreifenden Wandels“ in Deutschland. 

Die Kanzlerin hat Thunberg in den vergangenen Monaten immer wieder gelobt – und sogar zugegeben, dass sie durch die neue Jugendbewegung „zum Handeln getrieben“ worden sei. Doch beschreibt Merkel in ihrer vierminütigen UN-Rede ihr Klimapaket auch als Kompromisslösung, wie sie von Regierungspolitikern nun mal gefunden werden müsse. Es gelte gelte, möglichst viele gesellschaftliche Gruppen in den angestrebten Wandel einzubeziehen: „Aufgabe jeder Regierung ist es, möglichst alle Menschen mitzunehmen.“

UN-Generalsekretär António Guterres hat den Gipfel sorgfältig inszeniert. Auch er sieht die neue Jugendbewegung als wichtige Antriebskraft für die Politik. Deswegen lässt er Thunberg und andere junge Aktivisten gleich zu Beginn des Gipfels zu Wort kommen, deshalb hat er bereits am Samstag einen eigenen Klimagipfel für die Jugend veranstaltet.

Guterres setzt darauf, dass die jungen Aktivisten den Regierungen Dampf machen, damit die im Pariser Abkommen von 2015 vereinbarten Ziele für die Kohlendioxid-Reduktion doch noch erreicht werden können. Und dennoch ist von vornherein klar, dass Erfolg des Gipfels begrenzt sein wird. Denn das Engagement der Regierungen ist sehr ungleich verteilt. 

US-Präsident Donald Trump, der den Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Abkommen anstrebt und unbeeindruckt von allen Protesten weiter auf die fossilen Energieträger setzt, strafte den Gipfel mit Missachtung. Zwar taucht er überraschend bei der Versammlung auf und setzt sich als Zuhörer in die Reihen. Doch nach wenigen Minuten ist er schon wieder weg  – Trump hat an diesem Tag einen Gipfel zur Religionsfreiheit auf dem Programm.

Als Thunberg geredet hat, war Trump noch nicht im Saal. Doch die 16-Jährige macht in ihrer Wutrede ohnehin keine Unterschiede. Ihre Warnung richtet sie an alle Regierungen: „Die Augen aller künftigen Generationen ruhen auf Ihnen. Und wenn Sie uns im Stich lassen (…), werden wir Euch nie vergeben!“