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Bonn soll nach Chile-Absage Klima-Konferenz retten

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Chile hat wegen politischer Unruhen die Welt-Klimakonferenz kurzfristig abgesagt. Nun soll Bonn einspringen.

Berlin, 30. Oktober (Yvonne Brandenburg/AFP) – Tausende Vertreter von NGOs und Regierungen in aller Welt traf die Nachricht wie ein Blitz: Wegen der Unruhen in seinem Land sagte Chiles Staatschef Sebastián Piñera am Mittwoch die UN-Klimakonferenz in der Hauptstadt Santiago ab – gerade einmal knapp fünf Wochen vor dem geplanten Konferenzbeginn. Damit warf er monatelange Vorbereitungen über den Haufen. Nun wird fieberhaft nach einem Ausweichquartier gesucht. Ein heißer Kandidat für die Ausrichtung der sogenannten COP25 ist als Sitz des Klimasekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC) das nordrhein-westfälische Bonn.

„Keiner war vorgewarnt“, sagt Sabine Minninger, Klima-Referentin der Entwicklungsorganisation Brot für die Welt, über die plötzliche Absage der internationalen Klimakonferenz. Minninger wird seit Monaten von den Vorbereitungen für die Klimakonferenz in Santiago de Chile in Beschlag genommen, sie hat für rund 40 Vertreter von Partnerorganisationen Flüge und Hotels gebucht und bei Visaanträgen geholfen. Wie es nun weiter geht, weiß sie erst einmal nicht.

Als „äußerst schmerzvolle Entscheidung“ bezeichnete Piñera es, die für den 2. bis 13. Dezember vorgesehene UN-Klimakonferenz wie auch den für November geplanten Apec-Gipfel wegen der beispiellosen Proteste in seinem Land abzusagen. Chile hatte sich relativ kurzfristig bereit erklärt, die 25. UN-Klimakonferenz mit mehreren zehntausend Teilnehmern auszurichten – nachdem der eigentlich vorgesehene Gastgeber Brasilien Ende November 2018 abgesagt hatte.

Nun muss erneut umgeplant werden und diese Aufgabe kommt zuvorderst dem UNFCCC zu. UN-Klimasekretärin Patricia Espinosa veröffentlichte zunächst nur eine aus zwei Sätzen bestehende, dürre Erklärung. Sie sei darüber informiert worden, dass Chile die COP wegen der gegenwärtigen „schwierigen Situation“ nicht ausrichten könne. „Wir prüfen derzeit alternative Gastgeber-Optionen.“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) brachte schnell Bonn ins Spiel und nahm Deutschland für erfolgreiche Verhandlungen zur Bekämpfung der Erderwärmung gleich mit in die Pflicht. „Jetzt muss die Bundesregierung einspringen und die Klimakonferenz am UN-Standort Bonn ausrichten“, forderte BUND-Klimaexpertin Ann-Kathrin Schneider. Die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens müsse „trotz der Absage der Konferenz sichergestellt werden“.

Das Bundesumweltministerium hob allerdings hervor, dass es einen solchen Fall „in der Geschichte von UNFCCC bisher nicht gegeben“ habe. Es sei daher „zu früh, um zu mutmaßen“, wie es nun weitergehe.

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth twitterte immerhin, das Bundesumweltministerium stehe mit dem UN-Klimasekretariat und der noch amtierenden polnischen COP-Präsidentschaft in Kontakt, „um die Situation zu beraten“.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung bezog am Abend klar Stellung. „Als Landesregierung wollen wir gerne tatkräftig helfen, dass die COP25 noch stattfinden kann“, sagte ein Regierungssprecher der „Welt“. Und Bonn verfüge nun einmal „über beste Vorerfahrungen“.

Die Stadt drängt sich nicht nur auf, weil hier das UN-Klimasekretariat seinen Sitz hatte. In der ehemaligen Bundeshauptstadt fanden bereits 1999, 2001 und 2017 UN-Klimakonferenzen statt. Vor zwei Jahren hatte zwar die Republik Fidschi die COP-Präsidentschaft inne, die kleine Inselgruppe im Pazifik verfügt aber nicht über die Kapazitäten, eine derart riesige internationale Veranstaltung auszurichten. Also fanden die Verhandlungen in Bonn statt.

Doch auch wenn die Stadt am Rhein über Erfahrung und eine gute Infrastruktur verfügt, kann auch sie wohl kaum binnen fünf Wochen die nächste UN-Klimakonferenz organisieren. Schließlich musste auch 2017 erst eine riesige Zeltstadt errichtet werden, um genügend Platz für die rund 25.000 Konferenzteilnehmer zu schaffen.

Die 25. UN-Klimakonferenz nun neu zu organisieren, sei eine „wahnsinnige Herausforderung“, sagt Minninger von Brot für die Welt. Ihr macht Chiles Absage auch aus einem anderen Grund Sorgen. Eine Verschiebung der COP sei „eine weitere Verschwendung von Zeit, die wir bei der Bekämpfung der Klimakrise eigentlich sowieso nicht haben“.