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Schweizer Nationalbank sieht „mäßige“ Klimarisiken für die Schweiz

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Zurzeit scheinen die Risiken, die der Klimawandel für die Stabilität der Wirtschaft und des Finanzsystems in der Schweiz mit sich bringt, nach Einschätzung der SNB mäßig zu sein. Die Risiken und deren Beurteilung können sich allerdings ändern.

Zürich, 18. November (WNM) – Andréa Maechler, Mitglied des Direktoriums, und Thomas Moser, Stellvertretendes Mitglied des Direktoriums der Schweizerische Nationalbank sprechen in einer aktuelle Rede zum Thema „Klimarisiken und Zentralbanken aus der Sicht der SNB“ (https://www.snb.ch/de/mmr/speeches/id/ref_20191114_amrtmo/source/ref_20191114_amrtmo.de.pdf) über die Risiken, die der Klimawandel für die Stabilität der Wirtschaft und des Finanzsystems in der Schweiz mit sich bringt:

 Der Klimawandel stellt eine globale Herausforderung dar. Es handelt sich dabei – in der Ausdrucksweise der Ökonomen – um eine negative Externalität auf globaler Ebene: Die Wirtschaftsakteure tragen nicht die Gesamtkosten, die sich aus ihren Treibhausgas-Emissionen für die Weltbevölkerung und für die künftigen Generationen ergeben. In der Theorie kann einer solchen Externalität mit einem preisgestützten Mechanismus auf wirksame Weise Rechnung getragen werden, zum Beispiel mit der Einführung einer Kohlenstoffsteuer. Die Konzipierung, die Auswahl und die Aktivierung von Instrumenten, die dazu dienen, der Herausforderung der Klimaerwärmung zu begegnen, sind in erster Linie Sache der politischen Behörden und liegen nicht in der Zuständigkeit der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Im Rahmen ihres geldpolitischen Auftrags setzt sich die SNB indes intensiv mit den Klimarisiken auseinander. Diese können sich nämlich auf das Funktionieren des Wirtschaftssystems und des Finanzsektors auswirken. Zurzeit scheinen die Risiken, die der Klimawandel für die Stabilität der Wirtschaft und des Finanzsystems in der Schweiz mit sich bringt, nach Einschätzung der SNB mässig zu sein. Die Risiken und deren Beurteilung können sich allerdings ändern. Die SNB bleibt also wachsam und passt ihre Analysen und Instrumente laufend an, um stets in der Lage zu sein, die Auswirkungen auf die Wirtschaft als Ganzes zu verstehen und einzuschätzen. In diesem Zusammenhang führt sie einen regelmässigen Dialog mit den anderen Notenbanken und den Aufsichtsbehörden.

Die SNB lässt ihre Überlegungen zur ökologischen Nachhaltigkeit auch in die Bewirtschaftung ihrer Devisenreserven einfliessen. Diese Reserven ergeben sich aus der Geldpolitik, und ihre Bewirtschaftung ist den geldpolitischen Anforderungen untergeordnet. Um den Wert der Reserven zu erhalten und die Solidität der Bilanz zu gewährleisten, berücksichtigt die SNB alle Risiken, denen ihre Bilanz ausgesetzt ist — einschliesslich der Klimarisiken. Angestrebt wird eine diversifizierte und neutrale Anlagebewirtschaftung, so dass die Marktbedingungen so wenig wie möglich beeinflusst und Interessenkonflikte mit der Geldpolitik vermieden werden. Was die nicht-finanziellen Aspekte ihrer Anlagen anbelangt (Umwelt, Soziales und Governance), verfolgt die SNB eine strikte Ausschlusspolitik. Dadurch kann sie ihre Aktivenbewirtschaftung mit den grundlegenden Normen und Werten unseres Landes in Einklang bringen und zugleich ihren währungspolitischen Handlungsspielraum sichern.

In Anbetracht der geldpolitischen Erfordernisse scheint der von der SNB zur Berücksichtigung der Klimarisiken gewählte Weg der vernünftigste Ansatz zu sein. Die SNB hat einen klar definierten Auftrag, nämlich die Preisstabilität zu gewährleisten und gleichzeitig einen Beitrag zur Finanzstabilität zu leisten. Mit der Wahrnehmung dieses Mandats werden günstige Rahmenbedingungen für ein ausgeglichenes Wachstum geschaffen. In diesem Zusammenhang ist es nicht wünschenswert, dass die SNB spezifische struktur- oder gesellschaftspolitische Ziele anstrebt. Dies würde sie bei der Umsetzung einer unabhängigen und glaubwürdigen Geldpolitik einschränken.