Finanzwelt ist das neue Ziel der Klimaschützer

| 24. Februar 2020, 6:10

LONDON, 22. Februar (WNM/Financial Times) – Nachdem sich der Protest jahrelang eher gegen Öl-, Gas- und Bergbauunternehmen gerichtet hat, wenden sich Klima-Aktivisten nun vermehr der Finanzwelt zu. Sie hoffen, dass der öffentliche Druck auf Banken, Vermögensverwalter und Versicherer dazu führt, Investitionen in einige der kohlenstoffintensivsten und umweltschädlichsten Branchen zu überdenken. 

Nach Angaben des World Resources Institute haben Aktivisten noch Einiges zu tun, um die Finanzindustrie davon zu überzeugen, ihre Gewohnheiten zu ändern: Ein Bericht aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass die Banken weltweit seit der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens 1,9 Milliarden US-Dollar in die Finanzierung fossiler Brennstoffe investiert haben. Nur die Hälfte der weltweit größten Banken haben sich selbst ein Nachhaltigkeits-Ziel auferlegt. 

„Wenn Sie Banken dazu bringen, ihre Klimapolitik zu ändern, treffen Sie mehrere Sektoren gleichzeitig", sagte Wolfgang Kuhn von ShareAction, einer in Großbritannien ansässigen Kampagnengruppe, zur Financial Times. 

Aber auch Investoren selbst üben Druck auf die Branche aus und bringen auf Aktionärsversammlungen von Banken und Vermögensverwaltern wie JPMorgan, Goldman Sachs, BlackRock, der Bank of America und Barclays klimabezogene Anträge ein. Laut dem Datenanbieter Proxy Insight ist die Anzahl der Klimaschutzbeschlüsse, über die auf einer Hauptversammlung eines Finanzunternehmens abgestimmt wurde, von nur vier im Jahr 2015 auf 19 im letzten Jahr gestiegen. 

Mit zunehmender Kontrolle ist die Branche gezwungen, zu reagieren. Im Oktober gaben mehr als 50 Finanzinstitute mit einem Vermögen von 2,9 Billionen US-Dollar bekannt, dass sie die CO2-Emissionen ihrer Kredite und Investitionen offenlegen würden. 

Einige Unternehmen, beispielsweise BNP Paribas, haben bereits die Finanzierung bestimmter Unternehmen, die in Branchen tätig sind, die am meisten zum Klimawandel beitragen, eingestellt.