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Deutschland: „Grüne Anleihen“ sollen trotz Corona-Krise kommen

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Deutschland plant, im zweiten Halbjahr 2020 eine „grüne Staatsanleihe“ zu emittieren. Die Pläne dafür werden trotz der Corona-Krise weiterverfolgt, schreibt Reuters. Deutschland werde den grünen und nachhaltigen Investmentmarkt „erheblich stärken und entscheidend entwickeln“.

LONDON, 25. März (WNM/Reuters/Dhara Ranasinghe /Yoruk Bahceli) – Deutschland plant, im zweiten Halbjahr 2020 eine „grüne Staatsanleihe“ zu emittieren. Die Pläne dafür werden trotz der Corona-Krise weiterverfolgt, schreibt Reuters. Deutschland werde den grünen und nachhaltigen Investmentmarkt „erheblich stärken und entscheidend entwickeln“.

 

Die europäischen Regierungen stützen derzeit die vom Coronavirus betroffene Wirtschaft. Das ist möglicherweise der beste Zeitpunkt für „grüne Politik“, schreibt Reuters.

Viele europäische Länder akzeptieren, dass sie viel Geld ausgeben müssen, um den wirtschaftlichen Schock des Coronavirus zu überstehen. Die Politik steht gleichzeitig vor der Herausforderung, Milliarden von Euro in Klimaschutzprogramme zu investieren, um die Zusagen zur Reduzierung der CO2-Emissionen einzuhalten.

So genannte „grüne Anleihen“ – die Aufnahme von Schulden für die Finanzierung von Projekten wie erneuerbaren Energien und öffentlichen Verkehrsmitteln – könnten eine jetzt eine gangbare Option sein.

Der Druck, die Ausgaben für den Klimawandel zu steigern, bleibt trotz Corona: Am Dienstag forderte der britische Regierungsberater Chris Stark die Regierungen auf, „auf grüne Impulse zu achten“.

Deutschland spricht von rund 350 Milliarden Euro an Neuverschuldung für die Abfederung der Corona-Folgen. Gleichzeitig will das Land die Treibhausgasemissionen bis 2030 auf 55 Prozent des Niveaus von 1990 senken.

Großbritannien hatte zugesagt, 80 Prozent der Löhne für Arbeitnehmer zu zahlen, die aufgrund von Sperrmaßnahmen entlassen werden müssen. Die Briten hatten sich zuvor auch verpflichtet, die CO2-Emissionen bis 2050 auf nahezu Null zu senken.

Simon Bond, Direktor für Investment-Portfoliomanagement bei Columbia Threadneedle in London, schrieb im vergangenen Jahr an das britische Finanzministerium und forderte es auf, „grüne Staatsanleihen“ aufzulegen. Er sagte, jetzt sei an der Zeit, diese einzuführen, da aufgrund des Virusausbruchs dringend Anreize erforderlich seien.

„Das Grundprinzip für grüne Staatsanleihen besteht darin, Projekte ins Visier zu nehmen, die aktiv dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Null zu bringen“, sagte Bond zu Reuters. „Diese Projekte sollten Teil der Ausgaben für grüne Infrastruktur und mit steuerlichen Anreizen verbunden sein.“

Bisher haben sich die Regierungen relativ langsam mit „grünen Schulden“ befasst. Es gibt weltweit nur zwölf staatliche Emittenten von „grünen Anleihen“, was weniger als einem Zehntel des grünen Anleihen-Marktes entspricht. Dazu gehören auch Schulden von Unternehmen und anderen Institutionen, im vergangenen Jahr wurden Neuemissionen in Höhe von 250 Milliarden US-Dollar getätigt.

Deutschland plant, im zweiten Halbjahr 2020 eine „grüne Anleihe“ zu emittieren. Die Pläne dafür werden trotz der Corona-Krise weiterverfolgt, schreibt Reuters. Deutschland werde den grünen und nachhaltigen Investmentmarkt „erheblich stärken und entscheidend entwickeln“.

Auch Italien, Spanien, Schweden, Dänemark und Großbritannien hatten derartige Vorhaben in der Vergangenheit kommuniziert.

Laut S&P Global machen grüne Anleihen derzeit weniger als 0,1 Prozent der gesamten Staatsverschuldung aus. Angesichts der Tatsache, dass die Regierungen weltweit rund neun Billionen US-Dollar an ausstehenden Schulden haben, würde ein „grüner Wandel“ selbst eines kleinen Teils davon dem Markt einen enormen Schub verleihen.