„Folgen der Corona-Pandemie sind ein Vorbote der Klima-Bedrohungen“

| 24. Mai 2020, 8:23

LONDON, 21. Mai (WNM/Reuters/Laurie Göring) – Die Corona-Pandemie hat von einem Zusammenbruch der Lieferketten bis hin zu Machtausweitungen populistischer Regierungschefs gezeigt, wie eine Krise die Sicherheitsrisiken rasch erhöhen kann. Diese Risiken sollten eine Lehre für die Herausforderungen des Klimawandels sein, warnen Sicherheitsexperten.

„Diese Bedrohungen können massive Auswirkungen haben, die über das hinausgehen, was wir jemals gedacht haben“, sagte Kate Guy, Senior Research Fellow am Center for Climate and Security, einer in den USA ansässigen Denkfabrik, zu Reuters.

Während die Staats- und Regierungschefs versuchen, Lehren aus der COVID-19-Krise zu ziehen, sollten sie auch über Klimarisiken nachdenken, die „die nächste große Sache sein werden – die längerfristige, intensivere Ausprägung dieser (Corona-) Krise“, sagte Guy. 

Länder auf der ganzen Welt haben jahrelang analysiert, wie sich Sicherheitsbedrohungen, vom Terrorismus bis zum Einsatz von Atomwaffen, weltweit auswirken könnten. In diesem Zusammenhang sei jedoch noch relativ wenig am Klimawandel gearbeitet worden, sagte sie. 

Ein erwärmender Planet könnte die globalen Nahrungsmittelsysteme zerbrechen lassen, die lebenswichtige Wasserversorgung austrocknen oder populistischen Führern eine Ausrede geben, sich breite Notfallbefugnisse zu nehmen – wie dies auf den Philippinen und in Osteuropa mit COVID-19 schon zu sehen sei, sagte Guy. 

Aktuelle Forschungen, die sie mit Militärs zu Klimaszenarien über verschiedene Zeithorizonte durchgeführt hat, zeigten, dass „die kurzfristigen Auswirkungen viel schwerwiegender sind, als wir erwartet hatten“ – etwas, das bereits bei der Zunahme von Waldbränden, Stürmen und anderen Katastrophen beobachtet wurde. 

Langfristig „bleibt keine Region der Welt unberührt und diese Auswirkungen sind zunehmend katastrophal, was bedeutet, dass es keinen einfachen Weg zurück gibt", fügte sie hinzu. 

Dies könnte zu mehr gescheiterten Staaten, einer verstärkten Migration, einer Zunahme von Grenzkonfrontationen und internationalen Organisationen führen, die Krisen nicht eindämmen können, sagte sie. 

Adriana Abdenur, Klima- und Sicherheitsexpertin am Igarape Institute, einer Denkfabrik in Rio de Janeiro, sagte, der Verlust des Amazonaswaldes und der Andengletscher durch die Erwärmung des Planeten könne zu Ernährungsunsicherheit in der gesamten Zentralregion Südamerikas führen. 

„Der Amazonas entspringt in den Gletschern der Anden. Dieses Schmelzen hat sehr, sehr schwerwiegende Folgen für die gesamte flussabwärts gelegene Region, in der viele, viele Millionen Menschen leben“, sagte Abendur. 

Während der Klimawandel Sicherheitsbedrohungen auslösen kann, sei auch das Gegenteil der Fall, sagte sie und wies auf einen Anstieg des organisierten Verbrechens im Amazonasgebiet hin, der zu mehr illegalem Bergbau, Abholzung und einer Invasion indigener Gebiete geführt habe. 

Dahinter stecke ein Rückgang der Polizeiarbeit  und eine wachsende Nachfrage von Ländern wie China nach brasilianischen Sojabohnen und Holz, sagte sie. 

Neil Morisetti, ehemaliger Befehlshaber der Royal Navy und britischer Klimabeauftragter, sagte, dass Systemausfälle im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie deutlich machten, dass wir „einen viel ganzheitlicheren Ansatz“ für Sicherheitsherausforderungen benötigen. 

Für viele Länder könnte dies bedeuten, dass mehr Lebensmittel im eigenen Land angebaut werden, anstatt sich auf internationale Lieferketten zu verlassen.