Corona-Pandemie hat Fahrrad-Nutzung nachhaltig verändert

| 1. Juni 2020, 10:44
Biking (Free-Photos from Pixabay)

LONDON, 1. Juni (WNM/Economist) – Das Coronavirus und die damit verbundenen Einschränkungen haben einen regelrechten Fahrrad-Boom in Europa und den USA mit sich gebracht. Jetzt sei der große Moment des Radfahrens – und das könnte tiefgreifende und langfristige Auswirkungen auf die Verkehrspolitik haben, schreibt der Economist. 

Überall dort, wo Statistiken verfügbar sind, zeigt sie ein enormer Anstieg der Fahrradnutzung: In der Schweiz ist die Anzahl der seit Anfang März zurückgelegten Kilometer um 175 Prozent gestiegen (und die Nutzung der Straßenbahnen um 11 Prozent gesunken). In Philadelphia ist die Fahrrad-Nutzung um 151 Prozent gestiegen. Die Verwendung des New Yorker Bike-Share-Programms stieg im März gegenüber dem Vorjahr um 67 Prozent. Im März stiegen die Verkäufe von Fahrrädern in den USA laut NPD, einem Marktforschungsunternehmen, gegenüber dem Vorjahr um etwa 50 Prozent. 

Zu Beginn der Corona-Pandemie haben etliche Regierungen das Radfahren propagiert, um den Menschen dabei zu helfen, sich sicher zu bewegen, Sport zu treiben und einigermaßen gesund zu bleiben. So durften beispielsweise in den meisten US-Bundesstaaten Fahrradwerkstätten als „notwendige“ Geschäfte geöffnet bleiben. Die italienische Regierung bietet jedem Stadtbewohner, der ein Fahrrad kauft, oder jeder Art von motorisiertem Zweirad, 60 Prozent Erstattung bis zu einem Höchstbetrag von 500 Euro an. Mailand verwandelte 35 Kilometer der Straßen in Radwege und New York City sogar 160 Kilometer für Fußgänger und Radfahrer. Das Radfahren ist somit einfacher und sicherer geworden. 

Jetzt nutzen westliche Regierungen den großen Moment des Radfahrens um vorübergehende Maßnahmen dauerhaft zu implementieren. Da die soziale Distanzierungsmaßnahmen wahrscheinlich Monate oder sogar Jahre andauern werden, wird die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel auch nicht so bald wieder auf die ursprünglichen Niveaus zurückkehren.

Das Radfahren bringt langfristige Vorteile mit sich: weniger Umweltverschmutzung und eine gesündere Bevölkerung. Die Vorteile von weniger Autos und LKWs auf der Straße sind bereits offensichtlich.

Eine nachhaltige Fahrrad-Revolution ist jedoch nicht selbstverständlich. Radsport-Anfänger hatten das Glück, bei schönem Frühlingswetter den größten Teil der Einschränkungen zu genießen – aber der nächste Winter kommt bestimmt. Und einige Umfragen deuten darauf hin, dass sich viele Menschen danach sehnen, wieder in ihre Autos zu steigen. In China kam beispielsweise eine Umfrage zu dem Schluss, dass der Anteil der Personen, die ein Auto benutzen möchten, nach Beendigung der Sperrung von 34 Prozent auf 66 Prozent angestiegen ist. Die gleiche Umfrage ergab, dass nun mehr Chinesen daran interessiert sind, ein Auto zu kaufen. Andere Umfragen deuten auf einen starken Rückgang von Bus- und Bahnreisen hin. 

Daher besteht die Herausforderung darin, langfristige Anreize für das Fahrrad zu schaffen. Technologie kann dabei helfen. Elektor-Fahrräder ermöglichen Pendlern das Zurücklegen weiterer Strecken. Bosch ist beispielsweise führend auf dem Markt für Motoren und Batterien, die auf normalen Fahrrädern installiert werden können. Die Verkäufe von E-Fahrrädern in den USA stiegen im März gegenüber dem Vorjahresmonat um 85 Prozent. 

Sicherheitsstatistiken zeigen: Je mehr Radfahrer es in einer Stadt gibt, desto sicherer ist diese Stadt auch. Autofahrer passen ihr Verhalten anscheinend entsprechend an.