EU-Mercosur Freihandelsabkommen in Widerspruch zum European Green Deal

| 12. September 2020, 6:49

LEIBZIG, 11. September (WNM/Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung/Susanne Hufe) - Forscher haben das geplante Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten analysiert. Ihr Urteil: Es steht im Widerspruch zu den drei Grundprinzipien des European Green Deal.

Erstens sieht der European Green Deal vor, dass bis 2050 keine Netto-Treibhausemissionen mehr freigesetzt werden. Rindfleisch und Soja-Viehfutter aus dem Mercosur-Block verursachen jedoch riesige Emissionen, vor allem wenn für die Produktion Regenwälder gerodet werden. Zweitens soll das Wirtschaftswachstum gemäß Green Deal von der Ressourcennutzung entkoppelt werden. Die Forscher argumentieren, dass es jedoch ein erhebliches Risiko gibt, dass das Wirtschaftswachstum im Mercosur-Block auf Kosten natürlicher Lebensräume und des Klimaschutzes geht. Drittens, so steht es im European Green Deal, soll keine Gruppe oder Region durch die wirtschaftliche Entwicklung benachteiligt werden. Die Forscher bezweifeln jedoch, dass das Mercosur-Abkommen diesem Ziel gerecht wird, da es ohne Einbeziehung der lokalen Bevölkerung, wie zum Beispiel indigener Gemeinschaften, verhandelt wurde.

Trotz all ihrer klimafreundlichen Bestrebungen ist die EU weltweit führend beim Import von Agrarprodukten, die Entwaldung verursachen. Zwischen 1990 und 2008 wurde für die Ausweitung der Anbauflächen, die mit Konsum in der EU in Verbindung stehen, eine Fläche der Größe Portugals gerodet. Auch ohne Handelsabkommen importiert die EU jedes Jahr über 10 Millionen Tonnen Soja und 200 000 Tonnen Rindfleisch aus dem Mercosur-Block. Dafür wird in der Anbauregion alle drei Minuten die Fläche eines Fußballfeldes gerodet.

Als zweitgrößter Handelspartner Brasiliens trägt die EU somit entscheidende Verantwortung dafür, nachhaltigem Handel eine hohe Priorität einzuräumen und Handelsabkommen so zu gestalten, dass diese sowohl dem Umwelt- und Klimaschutz als auch den Menschenrechten Rechnung tragen. „Europa macht sich mitschuldig an Verbrechen, die im Namen der landwirtschaftlichen Produktion begangen werden", erklärt Sônia Guajajara, Anführerin der Articulação dos Povos Indígenas do Brasil, einer brasilianischen Organisation, die über 300 indigene Gruppen vertritt. Während Menschen ihr Leben riskieren, um Wälder zu schützen, gerät die Lage immer mehr außer Kontrolle. Abholzung und gewalttätige Angriffe auf die indigene Bevölkerung haben sich seit Bolsonaros Amtsantritt als Staatspräsident beschleunigt. Allein in diesem Sommer wurden bereits 516 Großbrände im brasilianischen Amazonasgebiet erfasst – die meisten davon wurden illegal gelegt und stehen im Zusammenhang mit Rodungen für die Landwirtschaft. „Europa und andere Verbrauchermärkte müssen lernen, ihre Konsumkraft so zu nutzen, dass unsere traditionellen Rechte respektiert werden und die Erhaltung der Wälder gefördert wird”, so Guajajara weiter.

In ihrer Studie formulieren die Forscher einen Weg zu nachhaltigen Handelsabkommen. Dies würde jedoch rasches Handeln der europäischen Entscheidungsträger erfordern. Neben transparenten Lieferketten, die eine Rückverfolgbarkeit der Herkunft von landwirtschaftlichen Produkten ermöglichen, muss ein partizipativer Prozess eingeleitet werden, der indigene Völker, lokale Gruppen, politische Entscheidungsträger und Wissenschaftler mit einbezieht. Weitere Mechanismen sind die Schaffung effektiver kollektiver Rechtsbehelfe (damit unterrepräsentierte Gruppen rechtliche Schritte einleiten können), Due Diligence (damit Unternehmen rechtlich für ihre gesamten Lieferketten verantwortlich sind) und die Aussetzung des Handels mit Waren, die im Zusammenhang mit Entwaldung oder Menschenrechtsverletzungen stehen.

Quelle: One Earth