Erdgasknappheit gefährdete Chinas Ziele zur Verbesserung der Luftqualität

| 4. Dezember 2020, 9:47

MAINZ, 4. Dezember (WNM/Max-Planck-Institut für Chemie/Anne Reuter) – Zu den Schlüsselthemen in der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt im Anthropozän gehören die Luftverschmutzung und die Bekämpfung des Klimawandels. Dabei sind sowohl die Wirksamkeit als auch die Auswirkungen von Umweltschutzmaßnahmen eng mit der Energieversorgung und den industriellen Aktivitäten von Ländern und Regionen verbunden. Eine neue Studie von Forscherinnen und Forschern des Max-Planck-Instituts für Chemie (MPIC) zeigt, dass eine Erdgasknappheit im Winter 2017 die Ziele und den Nutzen der chinesischen „Kohle-zu-Gas“-Politik gefährdete und zu einer Verschlechterung der Luftqualität in großen Gebieten und für weite Teile der Bevölkerung in Südchina führte.

Um die Verwendung sauberer und kohlenstoffarmer Brennstoffe in Nordchina zu fördern und gleichzeitig die Luftverschmutzung zu reduzieren, entwickelte die chinesische Regierung die sogenannten „Kohle-zu-Gas"- und „Kohle-zu-Strom“- Strategien. Im Winter 2017 kam es zu einer umfassenden Umsetzung dieser Maßnahmen zur Emissionsminderung, die schließlich auch zu einer deutlichen Verringerung der Feinstaubkonzentration (PM 2,5) um rund 14 Prozent im Vergleich zu 2016 in Nordchina führte. Während sich jedoch die Luftqualität im Norden verbesserte, kam es in großen Gebieten Südchinas zu einem unerwarteten Anstieg der PM2,5-Konzentrationen um rund 15 Prozent.

Mithilfe satelliten- und bodengestützter Messungen, Emissionsschätzungen sowie Simulationen chemischer Transportmodelle fanden die Forscherinnen und Forscher des MPI für Chemie heraus, dass die Zunahme der Luftverschmutzung in Südchina auf einen gravierenden Erdgasmangel in jenem Winter zurückzuführen war. „Dieser Mangel an Erdgas veranlasste die Menschen dazu, weniger saubere Energiequellen als Ersatz zu nutzen, was wiederum zu stärkeren Schadstoffemissionen und einer Verschlechterung der Luftqualität in den von der Gasknappheit betroffenen südlichen Regionen führte", erklärt Siwen Wang, Postdoc am Max-Planck-Institut für Chemie.

„Die regionale Umverteilung der Luftverschmutzung, die durch die „Kohle-zu-Gas“-Strategie in Nordchina im Zusammenhang mit der Erdgasknappheit ausgelöst wurde, könnte die allgemeine Luftqualitätsverbesserung gefährden, die vom Übergang zu saubereren Energien erwartet wird“, fasst Hang Su, Gruppenleiter in der Abteilung Multiphasenchemie, zusammen.

„Unsere Forschungsergebnisse zeigen die große Bedeutung der regionalen, nationalen und internationalen Energieversorgung für die gemeinsamen Ziele von Luftreinhaltung und Klimaschutz. Sie bestätigen einen Bedarf nach effizienter Koordination der Umwelt- und Energiepolitik im Hinblick auf die großen Herausforderungen der Zukunftsgestaltung“, schlussfolgert Yafang Cheng, Leiterin der unabhängigen Minerva-Forschungsgruppe am MPI für Chemie.