Standort einer E-Ladesäule entscheidend für die Nutzung

| 16. Juli 2020, 6:00
E-Auto (Rathaphon Nanthapreecha from Pexels)

FREIBURG, 15. Juli (WNM/Öko-Institut/Mandy Schoßig) - Der Standort einer E-Ladesäule entscheidet darüber, wie häufig die Ladeinfrastruktur genutzt wird. Die Auslastung ist höher, wenn die Ladesäule an einem für die Nutzer – auch für Zwischenladungen – attraktiven Ort platziert ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Öko-Instituts zu zwei Elektromobilitätsprojekten des südhessischen Energieversorgers Entega in Darmstadt.

Die Studie konnte nachweisen, dass die Existenz möglichst mehrerer für das Zwischenladen geeigneter Wegeziele in Fußentfernung die Nutzung von Ladepunkten signifikant erhöht: Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten, eine ÖPNV-Haltestelle, Bildungseinrichtungen, der Arbeitsplatz oder die Gemeindeverwaltung. Je nach Standort haben die Forscher deutlich unterschiedliche Auslastungsmuster erkannt: beispielsweise in Form von morgendlichen Ladespitzen bei der Ankunft am Arbeitsplatz oder mittags und nachmittags an Einkaufs- oder Freizeitorten.

„Wir empfehlen den Betreibern der Ladeinfrastruktur, die Standorte neuer Ladesäulen nach den von uns gefundenen Kriterien auszuwählen. Davon profitieren die Nutzerinnen und Nutzer. Und die Betreibenden erreichen eine höhere Auslastung“, sagt der Wissenschaftler Lukas Minnich, der die Studie für das Öko-Institut durchgeführt hat. „Ein flächendeckendes Netz an öffentlichen Ladesäulen fördert die Umstellung von Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben auf Elektrofahrzeugen“, sagt Philipp Schlögl aus dem Entega Regionalmanagement. „Auch wenn der große Teil des Ladens zuhause stattfindet, kann das Zwischenladen beim Einkaufen, am Arbeitsplatz oder am Bahnhof entscheidend sein.“

Die öffentlichen Ladestationen bieten insgesamt noch deutliche Kapazitäten für mehr Nutzung. Die Auslastung stieg jedoch über den Betrachtungszeitraum massiv an: Die geladene Strommenge war im zweiten Quartal 2019 bereits mehr als doppelt so hoch wie im dritten Quartal 2018. Die Beispielstandorte zeigten, dass geringe Leistungen zwischen drei und sieben Kilowatt dominieren. Die meisten Ladevorgänge dauern zwischen zweieinhalb und fünf Stunden. Die Profile sind an vielen Stationen durch einzelne Schwerpunktnutzende geprägt. Hoch ausgelastete Ladepunkte waren nicht nur in den Städten, sondern auch in ländlichen Kommunen zu finden.

Es zeigt sich, dass die täglichen Fahrleistungen der E-Pkw aus den im zweiten Element der Studie im Fokus stehenden kommunalen Fuhrparks fast ausnahmslos mit den heute verfügbaren Reichweiten elektrischer Fahrzeuge absolviert werden können. Dennoch sind die Pläne zur weiteren Elektrifizierung der kommunalen Fuhrparks eher zurückhaltend, unter anderem, weil dies nicht vorgegeben ist und Mehrkosten für die Anschaffung gerechtfertigt werden müssen.

Die Forscher empfehlen, dass alle Beteiligten weiter Ladepunkte und elektrische Flotten ausbauen. Bei der Ladeinfrastruktur bedarf es einer besseren kommunenübergreifenden Planung und Standortwahl. In der jetzigen Phase wird weiter die öffentliche Förderung durch Bund und Länder gebraucht. Zentral sind auch ausreichende und verlässliche finanzielle und personelle Ressourcen in den kommunalen Verwaltungen. Im Gegenzug könnten Bund und Länder eine überkommunale Abstimmung der Ladeinfrastruktur und die beschleunigte Umstellung kommunaler Flotten einfordern.