Transneft will wegen Druschba-Verschmutzung Deal mit Geschädigten

| 19. Juli 2019, 19:00

VILNIUS/MOSKAU, 19. Juli (WNM) - Der Verwaltungsrat von Transneft will die Frage der Beilegung der Folgen der Verschmutzung in der Druschba-Pipeline auf seiner nächsten Sitzung am 24. Juli erörtern. Dies teilte das Unternehmen am Freitag in einer Erklärung mit.

Darüber hinaus plant der Verwaltungsrat, in dieser Sitzung seinen Vorsitzenden zu wählen.

Transneft ist mit der Verschmutzung der Druschba-Pipeline unter Druck geraten. Die Pipeline liefert noch immer noch nicht Erdöl im vollen Umfang nach Deutschland. Gegen Transneft haben verschiedene Player Schadenersatzforderungen erhoben, denen durch die Verschmutzung massive Verluste entstanden sind. 

Der weißrusssische Staatskonzern Belneftekhim erklärte am Freitag, dass die vollständige Räumung der Druschba-Pipeline auf dem Territorium von Weißrussland für Mitte August 2019 prognostiziert wird. "Aktuell gibt es in Belarus etwa 620.000 Tonnen minderwertiges Öl", teilte das Unternehmen mit.

Am 3. Juni fanden in Moskau erste Gespräche über eine mögliche Übereinkommen über die Folgen der Probleme aus der Versorgung mit kontaminiertem Öl statt. Nach dem Treffen teilte der stellvertretende russische Energieminister Pavel Sorokin laut TASS mit, dass sich alle Teilnehmer auf ein gemeinsames Verständnis der Grundsätze für die Berechnung von Ausgleichszahlungen für Lieferungen außerhalb der EU verständigt hätten. 

Unterdessen hat ein Manager, der als Verdächtigter für die Verschmutzung gilt, in Lithauen um politisches Asyl angesucht. Das sagte ein Sprecher des Bezirksgerichts Vilnius am Freitag Reuters.

Die russische Staatsanwaltschaft hatte Roman Ruzhechko und mehrere andere Personen in einer kriminellen Verschwörung angeklagt, die gebidelt worden sei, um das Netzwerk zu verschmutzen, das dem Ölpipeline-Monopol Transneft gehört und von diesem betrieben wird. Ruzhechko ist Generaldirektor einer Firma namens Samartransneft-Terminal, die früher eine andere Öltransportfirma mit dem Namen Nefteperevalka besaß. 

Ein Anwalt von Ruzhechko sagte, nichts in den Akten der Staatsanwaltschaft habe die Schuld seines Mandanten bewiesen.

Die Kontamination wurde im April entdeckt und führte zu einer erheblichen Unterbrechung der Lieferungen aus Russland, dem zweitgrößten Ölexporteur der Welt. Die Käufer fordern nun eine Entschädigung in zweistelliger Millionenhöhe.

Die Kontamination war mit einem hohen Anteil an organischem Chlorid im Öl verbunden, das über die Druschba-Pipeline ("Friendship") und in den Ostseehafen von Ust-Luga transportiert wurde.

Druschba kann eine Million Barrel pro Tag oder das Äquivalent von einem Prozent des weltweiten Ölbedarfs pumpen und bedient Raffinerien in Deutschland, Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Ungarn, der Ukraine und Weißrussland.

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte dem Chef von Transneft, Nikolai Tokarev, dass die Kontamination ein schwerer Schlag für das Image Russlands als zuverlässiger Energieversorger sei.