Umweltanwälte klagen BP wegen „irreführender“ Werbung

| 5. Dezember 2019, 0:01
Road tanker refuelling (BP Images/Flickr)

LONDON, 4. Dezember (WNM) - Umweltanwälte von ClientEarth, eine gemeinnützige Umweltrechtsorganisation, haben eine Klage gegen BP p.l.c. in Großbritannien eingereicht und behaupten, dass BP die Verbraucher mit dem in Werbekampagnen kommunizierten Fokus auf kohlenstoffarme Energie und Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels in die Irre führt.

ClientEarth hat ein offizielles Beschwerdeverfahren gegen das Unternehmen nach den Richtlinien der OECD, einem internationalen Regelwerk für das Verhalten von Unternehmen, eingeleitet. Die OECD legt Richtlinien für multinationale Unternehmen in der Umwelt-Kommunikation und -Werbung fest. Die Richtlinien beschreiben, dass die Öffentlichkeit genaue, klare und umfassende Informationen benötigt, um fundierte Entscheidungen über die Nachhaltigkeit ihrer eigenen Konsumgewohnheiten und der damit verbundenen Auswirkungen auf das Klima treffen zu können. 

Erst vor wenigen Wochen hatten mehrere britische Kunsteinrichtungen die werbliche Zusammenarbeit mit BP beendet. Die Kultureinrichtungen sehen eine Assoziation mit dem Mineralölunternehmen als „Widerspruch“ in der Bewältigung der Klimakrise (https://world-news-monitor.de/klima/2019/11/25/britische-museen-stoppen-wegen-klimabedenken-werbung-von-bp/).

Die Beschwerde von ClientEarth zielt darauf ab, dass die Werbung von BP in direktem Widerspruch zu Bestimmungen in den OECD-Richtlinien betreffend die Offenlegung von Informationen, der Förderung des Umweltbewusstseins und der Verbraucheraufklärung steht. 

Die Klage bezieht sich auf die BP-Kampagnen "Keep Advancing" und "Possibilities Everywhere". BP wirbt derzeit auf Plakaten, in Zeitungen und im Fernsehen in Großbritannien, den USA und Europa sowie in den Sozialen Medien und auf Online-Plattformen. 

Die Klimaanwältin Sophie Marjanac von ClientEarth sagte, dass die Beschwerde ein Dossier von mehr als 100 Seiten Beweismaterial enthält, das die Werbung von BP und den Eindruck untersucht, den diese für den Verbraucher erweckt. „BP gibt Millionen für eine Werbekampagne aus, um den Eindruck zu erwecken, dass sich das Unternehmen rasant in Richtung Erneuerbare Energien entwickelt, dass Gas sauberer und dass BP ein Teil der Klimalösung ist", sagte sie. 

„Während BP saubere Energie bewirbt, entfallen tatsächlich mehr als 96% der jährlichen Investitionen des Unternehmens auf Öl und Gas. Nach eigenen Angaben gibt BP jedes Jahr weniger als vier von hundert Pfund für kohlenstoffarme Investitionen aus. Der Rest befeuert die Klimakrise.“ 

Insbesondere stören sich die Anwälte am potenziell irreführenden Eindruck, wenn BP vorgibt, sich auf Investitionen in Erneuerbare Energien zu konzentrieren, wenn Öl und Gas gleichzeitig so einen großen Anteil am Geschäft von BP ausmachen.