Druschba-Pipeline: Verschmutzung durch tödliche Chemikalie nachgewiesen

| 18. Dezember 2019, 10:06

MOSKAU, 18. Dezember (WNM/Reuters) – Der Grund für die zeitweise Stilllegung der Druschba-Pipeline, der längsten Ölpipeline Russlands, steht laut den Ergebnissen dreier, getrennt von einander durchgeführten, Tests fest: Es konnten Spuren der tödlichen Chemikalie Tetrachlorkohlenstoff nachgewiesen werden. Das berichtet Reuters. 

Schon im Mai zeigten die Ergebnisse einer Untersuchung des russischen Energieministeriums und des Pipeline-Betreiber Transneft durch ein Moskauer Chemie-Labor, dass die Schadstoffe in der Pipeline zu 85 Prozent aus Tetrachlorkohlenstoff bestanden. Tetrachlorkohlenstoff wurde in der Vergangenheit häufig zur Herstellung von Kältemitteln, Feuerlöschmitteln und Reinigungsmitteln verwendet. Die Produktion ist seit dem Inkrafttreten des Montrealer Protokolls, eines internationalen Übereinkommens zur Begrenzung der Verwendung von Stoffen, die zum Abbau der Ozonschicht führen, im Jahr 1989 stark zurückgegangen.

Das Vorhandensein von Tetrachlorkohlenstoff deutet darauf hin, dass Russland den illegalen Handel mit der Chemikalie nicht vollkommen gestoppt hat, schreibt Reuters nach Gesprächen mit fünf Experten aus der Ölbranche. Eigentlich sollte Tetrachlorkohlenstoff durch russische Gesetze streng reguliert sein.

Das russische Energieministerium hatte den Stillstand der Druzhba-Pipeline auf ein legal erhältliches Lösungsmittel namens Ethylendichlorid zurückgeführt. Dabei handelt es sich um eine organische Chloridverbindung, die zur Reinigung von Ölquellen verwendet wird. 

Das russische Energieministerium und Transneft beantworteten bisher keine Reuters-Anfragen. 

Zwei weitere, unabhängig voneinander durchgeführte Tests, durch ein Raffinerieunternehmen in der Europäischen Union sowie einer internationalen Ölhandelsfirma kamen zu beinahe denselben Ergebnissen wie das Labor in Moskau. 

Transneft teilte im Juni mit, dass 200 bis 300 Tonnen eines nicht genannten Schadstoffs in die Pipeline gelangt seien, hat jedoch seitdem keine weiteren Details zu diesem Thema veröffentlicht. 

Russland hatte durch den mehr als einen Monat andauernden Stillstand der Pipeline mehr als eine Milliarde US-Dollar an Einnahmen verloren. Die Pipeline hatte am 1. Juli den normalen Betrieb wieder aufgenommen. 

Die russischen Behörden untersuchen weiterhin die Kontamination, von der rund fünf Millionen Tonnen Öl in der Pipeline betroffen waren, die von Russland über Weißrussland und die Ukraine nach Deutschland, Polen, Ungarn, in die Slowakei und in die Tschechische Republik führt.