Total-CEO: Regierungen und nicht Ölfirmen für CO2-Reduktion verantwortlich

| 14. Februar 2020, 6:20

ABERDEEN, Schottland, 13. Februar (WNM/Reuters/Bate Felix/Ron Bousso) - Es liegt an den Regierungen, die Dekarbonisierung voranzutreiben, sagt der CEO des Ölkonzerns Total. Total plane nicht, sich aus der Öl- und Gasproduktion zurück zu ziehen.

Ölfirmen sollten angesichts des wachsenden Drucks von Investoren und Klimaaktivisten nicht als „Bösewichte“ angesehen werden, sagte Total-CEO Patrick Pouyanne zu Reuters. 

Das Aufgeben von Öl und Gas wäre „ein großer Fehler“, zum Teil auch, weil es sich für Investitionen in umweltfreundliche Technologien auszahle, sagte er. 

„Angenommen, wir geben heute bekannt, die Ölförderung einzustellen. Glauben Sie, dass Autos plötzlich ohne Benzin fahren werden? Nein, es funktioniert nicht.“, fügte er hinzu. 

„Wir wollen uns nicht von Öl und Gas verabschieden. Wir haben alle finanziellen Möglichkeiten, um an der Spitze (der Energiewende) zu stehen und nicht die Bösewichte der Geschichte zu sein“, sagte er. 

„Die Gesellschaft will klimaneutral sein, aber die Energieunternehmen werden nicht klimaneutral“, so Pouyanne. „Vielleicht dauert es 20 Jahre. Es wird einige Zeit dauern, und das wird sich auf die Nachfrage auswirken. Deshalb müssen wir das Unternehmen so positionieren, dass es dafür bereit ist“, erklärte Pouyanne. 

Pouyanne sagte auch, dass Total irgendwann entscheiden werde, ob es auf Öl und Gas verzichtet. Die Gewinne aus fossilen Brennstoffen bleiben vorerst aber der Motor des Wachstums bei erneuerbaren und kohlenstoffarmen Energien. 

Die Einnahmen aus dem größten Segment werden benötigt, um auf den Strommärkten, bei Ladetechnologien für Elektrofahrzeuge und bei Biokraftstoffen zu wachsen, die weniger rentabel sind und in einigen Fällen Verluste verursachen. 

Aber wenn die neuen kohlenstoffarmen Geschäftsbereiche von Total größer und rentabler werden, könnte sich dies ändern.

„Ab einem bestimmten Punkt werden wir uns wahrscheinlich entscheiden müssen: Bestehen wir mehr auf diesem oder jenem. Heute haben wir die finanziellen Möglichkeiten, verschiedene Wege zu betrachten.“ 

Total strebt bis 2025 einen nahezu zehnfachen Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien an – und das werde nicht billig, sagte Pouyanne. „Vielleicht möchte die Gesellschaft, dass Öl grün wird. Aber dafür müssen die Menschen auch bereits sein zu zahlen“, sagte er. 

Wenn die europäischen Regierungen zum Beispiel beschließen, dass alle Inlandsflüge ungefähr zwei Prozent Biokraftstoff-Anteil enthalten sollten, könnten die Kosten für eine durchschnittliche französische Fluggesellschaft um ungefähr 100 Millionen Euro pro Jahr steigen. Die Kosten würden an die Passagiere weitergegeben werden, rechnete Pouyanne vor. 

Pouyanne sagte, dass Energiekonzerne mittlerweile als „Sündenböcke“ dienen müssen. „Heute verbrauchen Automotoren Öl. Wenn die Automobilhersteller morgen beschließen, dass die meisten Autos elektrisch angetrieben werden, wird die Nachfrage einfach verschwinden“, fügte er hinzu.

Laut Pouyanne werden 50 Prozent der Aktivitäten von Total bis 2040 auf Gas, 30 Prozent auf Öl und Biokraftstoffe und 20 Prozent auf Strom ausgerichtet sein. 

Die Öl- und Gasförderung von Total stieg im vergangenen Jahr um neun Prozent, der Nettogewinn erreichte fast zwölf Milliarden US-Dollar, zehn Prozent der Investitionen in Höhe von 17,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 flossen in erneuerbare Energien.