Energieagentur: Ölpreis-Verfall gefährdet Energiewende

| 12. März 2020, 0:10

PARIS, 11. März (WNM/Financial Times) -Der Ölcrash löste diese Woche eine Panik auf den Finanzmärkten aus. Die Entscheidung Saudi-Arabiens, einen Preiskampf zu beginnen, könnte aber tiefgreifende Konsequenzen für die weltweite Akzeptanz sauberer Energie haben. 

„Es wird definitiv den Appetit auf eine sauberere Energiewende verringern“, sagte Fatih Birol, Leiter der Internationalen Energieagentur, über den historischen Rückgang der Rohölpreise zur Financial Times.

Analysten warnten, dass der Ölpreisschock die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen beeinträchtigen und die Attraktivität von Energieeffizienz-Maßnahmen verringern könnte. Die Turbulenzen - verbunden mit einer sich verlangsamenden Weltwirtschaft – könnten die ehrgeizigen Pläne für erneuerbare Energien signifikant beeinflussen. 

Im Gegensatz zu den Zeiten niedriger Ölpreise im Zeitraum 2014-2016 haben viele Länder, darunter Großbritannien und die EU, ehrgeizige Ziele festgelegt, um die Nettoemissionen in den kommenden Jahrzehnten auf Null zu senken, was eine enorme Verlagerung des Energieverbrauchs erforderlich macht. 

Birol sagte, die Situation sei „ein guter Test“ für alle Klimaschutzverpflichtungen, die Regierung und Unternehmen in letzter Zeit eingegangen seien. „Beobachter werden schnell bemerken, ob der Nachdruck von Regierungen und Unternehmen in Richtung Energiewende nachlässt, sobald die Marktbedingungen schwieriger werden.“

Billiges Benzin dürfte Elektrofahrzeuge zumindest kurzfristig für Verbraucher weniger attraktiv machen. Der weltweite Markt für Elektrofahrzeuge hatte bereits im vergangenen Jahr aufgrund der schwächeren Nachfrage in China und Amerika etwas nachgelassen. Diese Situation könnte sich durch die Ausbreitung des Coronavirus weiter verschärfen. 

Die Gefahr für die Energiewende wird dadurch erhöht, dass niedrige Energiepreise häufig die wirtschaftlichen Anreize verringern, sie zu speichern und Wege zu finden, sie effizienter zu nutzen. „Billigere Energie führt immer dazu, dass Energie weniger effizient genutzt wird“, sagte Birol. „Niedrige Energiepreise werden die Wirtschaftlichkeit des Energiesparens aufgrund billigen Öls und Gases weniger attraktiv machen, und das wird definitiv keine gute Nachricht sein.“ 

 „Diese Herausforderungen sind große Herausforderungen, aber sie sind nur vorübergehend. Vielleicht werden sich die Marktbedingungen in ein paar Monaten erholen, aber unsere Klima-Herausforderungen werden immer noch da sein.“, sagte Birol.