Schienengüterverkehr entlang der Neuen Seidenstraße weiter im Aufwind

| 3. Februar 2021, 19:48

BERLIN, 3. Februar (WNM/Moritz Enders) - Allein der kasachisch-russisch-belorussische Logistikdienstleister UTLC ERA (United Transport and Logistics Company – Eurasian Rail Alliance) transportierte im Jahr 2020 im Schienenverkehr 546.900 TEU  (Standardcontainer) von Europa nach China und von China nach Europa und wickelte damit 91% aller Bahntransporte auf der Breitspurbahn der Neuen Seidenstraße ab. Bis 2025 könnte der Güterumschlag auf der euroasiatischen Route auf rund eine Million Standardcontainer (TEU) ansteigen, sagte Alexei Grom, Generaldirektor des Unternehmens.

Damit gewinnen die Frachttransporte über die Schiene im Europa- Asien-Verkehr immer mehr an Bedeutung, auch wenn der allergrößte Teil der etwa 23 Millionen TEU nach wie vor auf dem Seeweg transportiert wird. „Vor allem der Austausch medizinischer Präparate und Geräte, aber auch von Autoteilen, Elektronik und Kühlmitteln, lief im vergangen Jahr auf Hochtouren.“ so Alexei Grom. Positiv ausgewirkt habe sich zudem, dass Russland seit Frühjahr 2020 den Transit sogenannter Sanktionswaren, vor allem Obst, Gemüse und hochwertige Lebensmittel, durch sein Gebiet erlaubt.

Ein großer Vorteil des Transports über die Schiene sind die im Vergleich zum Seeweg deutlich kürzeren Fahrtzeiten. Während Containerschiffe viele Wochen, teilweise sogar Monate unterwegs sind, benötigen die Güterzüge bereits jetzt im Schnitt nur zwölf Tage zwischen China und Europa. Allerdings stehe man nun aufgrund steigender Liefermengen vor infrastrukturellen Herausforderungen. "Wir arbeiten an mehreren neuen Korridoren, die über neue EU-Grenzübergänge führen. Damit wollen wir zusätzliche Kapazitätsreserven schaffen und längere Wartezeiten an den Grenzen vermeiden.“ sagte Alexey Grom. Zudem trügen multimodale Routen inzwischen dazu bei, die Transporte zu diversifizieren. Als Knotenpunkte hätten sich hier die Ostseehäfen Baltysk bei Kaliningrad, Mukran und Rostock etabliert, wo Waren von der Bahn aufs Schiff und vom Schiff auf die Bahn verladen würden.

Die Frage, ob die verschiedenen Logistikdienstleister in Europa und Asien ihre Kräfte gegebenenfalls bündeln können, war Gegenstand einer Digitalkonferenz, die vor wenigen Tagen auf Initiative von UTLC ERA stattgefunden hat. „Für alle auf dem Eurasischen Eisenbahnkorridor operierenden Unternehmen aus West und Ost ist es wichtig, nicht in Konkurrenz zueinander zu stehen, sondern sich zusammenzuschließen und gemeinsame Kooperationsformate zu entwickeln und zu pflegen,“ forderte Fabio Amato, Vizepräsident des italienischen Eisenbahnunternehmens „Mercitalia Rail“ und einer der Teilnehmer der Konferenz. Dr. Carsten Hinne, CEO der DB Cargo AG, setzt zudem auf mehr digitale Lösungen und umweltfreundliche neue Technologien. „Dazu gehören auch eine papierlose Abwicklung von Transportaufträgen sowie eine digitale Transportverfolgung.“ so Hinne.

Gastgeber Alexei Grom zeigte sich am Ende der Konferenz zufrieden: „Die Zahl der an einer Zusammenarbeit interessierten Unternehmen wächst stetig. Ich bin optimistisch, dass wir in 2021 gemeinsam eine Steigerung der TEU um 20 Prozent schaffen können und uns damit unserem Ziel, 2025 auf rund eine Million TEU zu kommen, weiter annähern. Deshalb ist es jetzt unsere wichtigste Aufgabe, uns gegenseitig zu neuen Rekorden zu motivieren, Engpässe zu identifizieren und diese gemeinsam zu beseitigen.“