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Großbrand in Chemiewerk im Norden Frankreichs ausgebrochen

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In Frankreich ist es in einem Chemiewerk zu einem Großbrand gekommen. In der Fabrik werden besonders giftige Substanzen verwendet.

Caen, 26. September (WNM/AFP) – In einem Chemiewerk in der nordfranzösischen Stadt Rouen ist am Donnerstagmorgen ein Großbrand ausgebrochen. Die Präfektur der Normandie rief Anwohner vorsorglich auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. Verletzt wurde nach Behördenangaben bislang niemand. Die Fabrik des Unternehmens Lubrizol wird als besonders gefährlich eingestuft. 

In dem Chemiewerk werden Zusatzstoffe für Schmierstoffe hergestellt. Es ist Seveso-klassifiziert. In Seveso, einer Region nördlich von Mailand, war es 1976 zu einem verheerenden Chemieunfall mit dem Wirkstoff TCDD gekommen. Das Gift ließ Blätter verdorren und vergiftete Flüsse, zahlreiche Tiere verendeten. Damals reagierten die Behörden viel zu spät.  Nach einer EU-Richtlinie gelten seither besonders strenge Sicherheitsauflagen. 

Das Feuer konnte am Nachmittag zwar eingedämmt, zunächst aber noch nicht gelöscht werden. Der öffentliche Nahverkehr in Rouen wurde aus Sicherheitsgründen gestoppt.

Es handele sich um ein „extrem gefährliches Feuer für die Einsatzkräfte“, das nur mit einem Schaumkonzentrat gelöscht werden könne, sagte Feuerwehrchef Jean-Yves Lagalle. „Oberste Priorität haben die Innenanlagen des Unternehmens“, fügte er hinzu. Einige Chemikalien seien vorsichtshalber aus der Fabrik entfernt worden, sagte Einsatzleiter Marc Vitalbo. Die Feuerwehr war mit rund 200 Löschfahrzeugen im Einsatz.

Auch die Wasserqualität der Seine ist nach Angaben der Behörden bedroht. Es bestehe „das Risiko, dass die Seine durch überlaufende Rückhaltebecken verschmutzt wird“, sagte Präfekt Durand.

Die Verkehrsbetriebe der Stadt setzten am Nachmittag den öffentlichen Nahverkehr schrittweise aus. Es handelt sich demnach um eine Sicherheitsmaßnahme für die Passagiere und das Servicepersonal. Am Freitagmorgen sollen alle Linien wieder wie gewohnt befahren werden. Durand kritisierte den Stopp von Bussen und Bahnen als „nicht gerechtfertigt“. Die Entscheidung sei auf „Wunsch des Personals“ getroffen worden, fügte er hinzu. 

Über der Fabrik und dem angrenzenden Gebiet, in dem rund 500.000 Menschen leben, stand eine riesige Rauchwolke. In der Luft lag ein beißender Gestank, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Präfektur richtete einen Krisenstab ein. Anwohner wurden aufgerufen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Gebäude im Umkreis von 500 Metern wurden evakuiert. Schulen und Kindergärten blieben geschlossen. Laut Behördenangaben gab es zunächst keine Verletzten.

In dem Chemiewerk am Ufer der Seine werden Zusatzstoffe für Schmierstoffe hergestellt. Die Fabrik gehört zum Unternehmen Lubrizol von US-Milliardär Warren Buffett und unterliegt der sogenannten Seveso-Richtlinie der EU, die besonders strenge Sicherheitsauflagen vorschreibt.

In dem Werk arbeiten rund 400 Menschen. Die Chemiefabrik sorgte bereits in der Vergangenheit für Schlagzeilen, etwa als 2013 durch ein Leck das Gas Methanthiol entwich und die Umgebung weitreichend nach faulen Eiern roch. Im Jahr 2015 flossen nach einem Betriebsunfall rund 2000 Liter Mineralöl ins Abwassersystem der Stadt.