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Hedgefonds wetten gegen Nachhaltigkeits-Versprechen von Unternehmen

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Hedgefonds wetten mittels Leerverkäufen gegen die Börsenkurse von Unternehmen, die – nach Meinung der Investoren – durch Nachhaltigkeits-Versprechen ungerechtfertigt hochgetrieben wurden, schreibt Reuters.

LONDON, 31. Januar (WNM/Reuters/Kirstin Ridley/Simon Jessop) – Hedgefonds wetten mittels Leerverkäufen gegen die Börsenkurse von Unternehmen, die – nach Meinung der Investoren – durch Nachhaltigkeits-Versprechen ungerechtfertigt hochgetrieben wurden, schreibt Reuters.

Das Leerverkäufer, die grundsätzlich Informationslücken nutzen, nun den Bereich der Nachhaltigkeitskriterien zu Umwelt, Soziales & Unternehmensführung (ESG) ins Visier nehmen, zeigt die Komplexität der genauen Bewertung von Umweltaktivitäten für Investoren.

Als „nachhaltig“ definierte Investitionen machen nach Angaben der Global Sustainable Investment Alliance mehr als ein Viertel aller weltweit verwalteten Vermögenswerte aus. Es wurden bislang rund 31 Billionen US-Dollar investiert. Analystenberichten zeigen, dass Unternehmen, die intensiv auf Nachhaltigkeit setzen, auch auf mehr Interesse bei Investoren stoßen. 

Einige Leerverkäufer, darunter Carson Block von Muddy Waters, Josh Strauss von Appleseed Capital und Chad Slater von Morphic Asset Management, argumentieren, dass die Aktienkurse durch falsche oder übertriebene Unternehmensdarstellungen beim Thema Nachhaltigkeit – das sogenannte „Greenwashing“ – künstlich in die Höhe getrieben wurden.

„Greenwashing ist jetzt weit verbreitet“, sagt Slater, dessen Fonds sowohl auf steigende, als auch auf fallende Aktienkurse setzt. Er sieht ein Problem, wenn Unternehmen die Interessen von langfristig denkenden Investoren ignorieren. „Für Leerverkäufe ist das aber interessant“.

Anbieter von Nachhaltigkeits-Ratings (ESG-Ratings) verwenden eine Kombination aus Unternehmensangaben, Nachrichtenquellen und qualitativen Analysen von Daten von Drittanbietern. Sie sind eine wichtige Informationsquelle für Anleger, aber keine exakte Wissenschaft. 

Eine Reuters-Analyse der Daten des Finanzinformationsunternehmens Refinitiv und der nationalen Aufsichtsbehörden in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien zeigt, dass Hedgefonds besonders gegen die Kurse von Unternehmen mit den besten Nachhaltigkeits-Ratings wetten. 

Datenanbieter erstellen Bewertungen basierend auf einer Reihe von Messgrößen, die vom Energieverbrauch über die Zusammensetzung des Vorstands bis hin zu Gehaltsunterschieden und dem Umfang negativer Presseberichte über das Unternehmen reichen. 

Ein zentrales Problem seien jedoch die wenigen Vorschriften, die regeln, welche Nachhaltigkeits-Maßnahmen und -Risiken Unternehmen offenlegen müssen. Sie seien lückenhaft, sagte Diederik Timmer, Executive Vice President bei Sustainalytics. „Wenn die Dinge gut laufen, berichten die Unternehmen ausführliche darüber. Wenn die Dinge allerdings nicht so gut laufen, wird es sehr ruhig“, ergänzte er. 

Vereinzelte Politiker drängen auf standardisierte Angaben, um den Anlegern eine bessere Einschätzung der Risiken zu ermöglichen. Dies werde weniger Spielraum für Unternehmen lassen und die Zuverlässigkeit der Ergebnisse weiter verbessern.