Plastik-Verbrauch sinkt trotz Corona-Maßnahmen

| 8. Juni 2020, 9:38
Schutzausrüstung (Gustavo Fring from Pexels)

ROTTERDAM, 8. Juni (WNM/Financial Times) – LyondellBasell Industries, eines der weltweit größten Chemie-Unternehmen, prognostiziert in der Financial Times einen Rückgang des Plastikverbrauchs um 15 Prozent aufgrund von gesunkenen Verkaufszahlen bei Autos und Haushaltsgeräten.

LyondellBasell Industries warnt davor, dass die Nachfrage nach Kunststoffen in diesem Jahr trotz des vermehrten Einsatzes von Lebensmittelverpackungen, Gesichtsmasken und anderen Einwegartikeln, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, sinken werde. 

Der Chemiekonzern prognostiziert einen Rückgang des Verbrauchs von zwei der häufigsten Materialarten um 15 Prozent, da die Menschen aufgrund der Pandemie weniger Autos und Haushaltsgeräte kaufen. 

„Der Verbrauch von Kunststoffen nimmt im Allgemeinen auch in Rezessionsperioden nicht ab. Wir haben Daten, die die weltweite Nachfrage nach Polyethylen und Polypropylen in den letzten 25 Jahren belegen. Das einzige Jahr, in dem die Nachfrage zurückging, war 2008“, sagte Bob Patel, CEO von LyondellBasell, der Financial Times. Doch selbst dann waren es „nur drei bis vier Prozent, nicht 15 Prozent", sagte Patel. 

Die Corona-Pandemie hat eine große Nachfrage nach Polymeren mit sich gebracht, beispielsweise für persönliche Schutzausrüstungen wie Handschuhe und Krankenhauskittel. Für viele Hersteller wird diese Nachfrage jedoch von Einbrüchen in Bereichen wie der Automobil-, Bau- und Luftfahrtbranche überschattet. 

Patel sagte, die chemische Industrie habe „zwei schwarze Schwäne“ erlebt – die Corona-Pandemie und den Ölpreiscrash Anfang dieses Jahres, der die Kosten für eine Reihe von Substanzen, die mit fossilen Brennstoffen in Verbindung stehen, in die Höhe treiben könnten. 

Der Abschwung erhöhe das Risiko eines Überangebots an Kunststoffen nach massiven Investitionen in neue petrochemische Anlagen im letzten Jahrzehnt. 

In den USA haben Unternehmen wie Dow, Royal Dutch Shell und ExxonMobil mehr als 200 Milliarden US-Dollar für neue Anlagen vorgesehen, die mit billigen Rohstoffen aus der Schiefergewinnung gespeist werden.