„Recyceltes“ Plastik aus Europa endet in asiatischen Meeren

| 3. August 2020, 6:45
Plastic waste (John Cameron on Unsplash)

GALWAY, IRLAND, 2. August (WNM/Environment International) – Forschungen der NUI Galway und der University of Limerick haben erstmals das Volumen von eigentlich zum Recycling gedachten Kunststoffen aus europäischen Ländern (EU, Großbritannien, Schweiz und Norwegen) quantifiziert, die als Abfall in Weltmeeren landen. 

Während die europäischen Länder eine weltweit führende Abfallbewirtschaftungsinfrastruktur aufgebaut haben, werden 46 Prozent der getrennten Kunststoffabfälle anschließend aus Europa exportiert. Ein großer Teil der Kunststoffe wird Tausende von Kilometern in Länder mit schlechten Abfallbewirtschaftungspraktiken transportiert, die sich größtenteils in Südostasien befinden. In diesen Ländern angekommen, landet ein großer Teil der Abfälle in überlastetet lokalen Abfallentsorgungssysteme, die nachweislich zur Verschmutzung der Ozeane beitragen. 

Die neue Studie, die in der Fachzeitschrift Environment International veröffentlicht wurde, schätzte die Best-Case-, Durchschnitts- und Worst-Case-Szenarien von Meeresschuttwegen aus dem exportierten Recycling im Jahr 2017. Die Ergebnisse zeigen, dass zwischen 32.115 und 180.558 Tonnen, oder ein bis sieben Prozent, des gesamten exportierten europäischen Polyethylens im Meer landet. Polyethylen ist eine der häufigsten Kunststoffarten in Europa. Die Ergebnisse zeigten, dass Länder wie Großbritannien, Slowenien und Italien einen höheren Anteil an Kunststoff außerhalb Europas exportieren und ein höherer Anteil ihres recycelbaren Kunststoffabfalls als Ozeanschutt endet.

George Bishop, Hauptautor der Studie, sagte: „Die Ergebnisse weisen auf einen wichtigen und bisher nicht dokumentierten Weg von Plastikabfällen in die Ozeane hin, der erhebliche ökologische und soziale Auswirkungen auf marine Ökosysteme und Küstengemeinden haben wird.“ 

Unter Verwendung detaillierter internationaler Handelsdaten und Daten zur Abfallbewirtschaftung in den Zielländern modellierte die Studie den Verbleib des gesamten aus Europa exportierten Polyethylens, wobei unterschiedliche Möglichkeiten berücksichtigt wurden, die von der erfolgreichen Umwandlung in recycelte Harze bis hin zur Deponierung, Verbrennung oder zum Meer reichen.

David Styles, Dozent an der Universität von Limerick und Mitautor, erklärt: „Angesichts der Tatsache, dass ein so großer Anteil der für das Recycling bestimmten Abfälle exportiert wird und damit nicht rückverfolgbar ist, deutet diese Studie darauf hin, dass die tatsächlichen Recyclingraten erheblich abweichen können Unsere Studien ergaben, dass bis zu 31 Prozent des exportierten Kunststoffs überhaupt nicht recycelt wurde.“

Die Autoren warnen aber davor, dass die Ergebnisse die Menschen nicht vom Recycling abhalten sollten, da dies aus ökologischer Sicht nach wie vor die beste Abfallentsorgungsbehandlung darstellt. Es seien jedoch erhebliche Anstrengungen zu unternehmen, um Aspekte dieser Kunststoffrecyclingketten zu verbessern.