Sedimente der deutschen Flüsse sind voll mit Mikroplastik

| 3. August 2020, 6:20
Der Rhein mit dem Loreley-Felsen in einem Gemälde eines unbekannten Meisters aus dem 19. Jahrhundert. (Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz)

KOBLENZ, 3. August (WNM/Bundesanstalt für Gewässerkunde/Melanie Schulz) - Forscher der BfG und der Goethe-Universität Frankfurt haben gemeinsam das Vorkommen von Mikroplastik in der Elbe untersucht. Dazu haben sie das Flusswasser und die Flusssedimente von der mittleren über die untere bis hin zur äußeren Elbe beprobt. Ziel war es, die Verteilung von Mikroplastik in Flusssystemen besser zu verstehen. Ein wesentliches Ergebnis: Die Konzentration von Mikroplastik im Sediment ist um ein Vielfaches höher als im Wasser.

Die Analyse von insgesamt elf Probenahmestellen entlang der mittleren Elbe und flussabwärts hat gezeigt, dass die Konzentration von Mikroplastik im Sediment rund 600.000 Mal höher ist als im Wasser. Aus der Konzentrationsverteilung folgern die Forscher: Sedimente in Fließgewässern sind eine bedeutende Senke für das im Wasser enthaltene Mikroplastik. Dabei stimmt die Größenordnung der an der Elbe gemessenen Werte mit denen anderer deutscher Flüsse wie Rhein, Main, Donau und Weser überein. Aber auch im Vergleich mit internationalen Flusssystemen belegen die Mikroplastik-Konzentrationen der Elbe einen mittleren Rang.

Des Weiteren haben die Wissenschaftler beobachtet, dass die Mikroplastik-Konzentrationen in Fließrichtung abnehmen. Dabei hat sich das Vorkommen von Mikroplastik insbesondere im Einflussbereich der Gezeitenströmung merklich reduziert. Mögliche Ursachen sind: eine erhöhte Dynamik des Wasserkörpers und der damit verbundene Abtransport von Mikroplastik in die Nordsee sowie eine Verdünnung der Mikroplastik-Konzentration durch eingetragene marine Sedimente.

Die höchste Mikroplastik-Konzentration wurde in Dessau gemessen. Kugelförmiges Polystyrol dominiert hier die Zusammensetzung. Ein auffälliger Befund, zumal die Formverteilung im gesamten Flussverlauf nach Angabe der Wissenschaftler keinem klaren Trend folgt. So deutet der punktuelle Belastungsschwerpunkt auf eine industrielle Emissionsquelle hin. Zum Verständnis: Grundsätzlich können Mikroplastikpartikel in unterschiedlichen Formen vorkommen: als Kugeln, Plastikbruch, Folien-Bruchstücke oder Fasern.

Die dieser Untersuchung zugrunde liegenden Sediment- und Wasserproben haben die BfG-Forscher in den Jahren 2015 und 2019 genommen.