Studie: Statusdenken treibt klimaschädlichen Konsum

| 8. September 2020, 10:17

BERLIN, 8. September (WNM/Energy Research & Social Science/Ulrich von Lampe) - Der Konsum wird nicht nur vom Bedarf bestimmt, sondern auch vom Wunsch, bei Statussymbolen mit den Nachbarn mitzuhalten und sie möglichst zu übertrumpfen. Das zeigt eine aktuelle Studie, die am Berliner Klimaforschungsinstitut MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change) erstellt und in der renommierten Fachzeitschrift Energy Research & Social Science veröffentlicht wurde

Die Studie nimmt Indien als Beispiel und stützt sich auf detaillierte Selbstauskünfte von 14.000 privaten Haushalten in indischen Ballungsräumen, aus der repräsentativen Panel-Befragung „India Human Development Survey“. Mit Hilfe von Regressionsanalysen entwickelt das Forschungsteam zunächst aus einer Vielzahl von sozioökonomischen Daten einen Indikator für „sozialen Ehrgeiz“ – also das Bestreben, im sozialen Gefüge weiter oben wahrgenommen zu werden, als das Einkommen hergibt. Anschließend weist es nach: Dieser Ehrgeiz ist, bei ansonsten gleichen Einkommensverhältnissen, ein bedeutsamer Treiber für klimaschädlichen Konsum. 

So hängt bei Haushalten, die sich selbst als Mittelschicht wahrnehmen, die Nachfrage nach Autos immerhin halb so stark vom sozialen Ehrgeiz ab wie von der tatsächlichen Kaufkraft. Und wenn es um Haushalte geht, die sich selbst als wohlhabend einschätzen, sowie um deren Nachfrage nach energiefressenden Haushaltsgeräten, dann sind Ehrgeiz und Kaufkraft sogar annähernd gleich maßgebend.

„Regierungen können auf soziale Normen etwa mit Kommunikationskampagnen zielen und sie auch indirekt beeinflussen, etwa durch CO₂-Bepreisung“, sagt Anjali Ramakrishnan, Forscherin in der MCC-Arbeitsgruppe Landnutzung, Infrastruktur und Transport und Leitautorin der Studie. In Indien, wo 1,4 Milliarden Menschen leben und sich laut Prognosen die Zahl der Autos von 2014 bis 2040 verneunfacht, hätte so ein Gegensteuern viel Potenzial.

Zum einen ist der Lebensstil gutsituierter Stadtbewohner ein großes Problem für das Klima geworden, auch wenn insgesamt die Pro-Kopf-Treibhausgasemissionen in Indien viel niedriger sind als in Ländern wie den USA und Deutschland. Zum anderen sind bei sechs von zehn Menschen in Indien noch immer nicht alle Standards eines menschenwürdigen Lebens erfüllt – und nachfrageseitige Klimalösungen können ihr Wohlergehen sehr stark verbessern. Zum Beispiel kann Regierungspolitik Anreize setzen für die Elektrifizierung von Slums und Dörfern durch Solarstrom oder für Investitionen in saubere, separate Küchen.

Quelle: Energy Research & Social Science