Aktiv gemanagte Fonds haben in der Krise ihre Daseinsberechtigung verloren

| 3. Mai 2020, 9:37

LONDON, 2. Mai (WNM/Financial Times/Copley Fund Research) - Analysen zeigen, dass US-Aktienfonds auch in der Corona-Krise deutlich hinter passiven Fonds zurückgeblieben sind. Das zeige, dass die Branche „auf einem Mythos aufgebaut ist und dieser Mythos in Stücke gerissen wurde“.

Eine Analyse von 1.350 Fonds mit einem Vermögen von insgesamt rund vier Billionen US-Dollar durch Copley Fund Research in der Financial Times zeigt, dass US-Aktienfonds im ersten Quartal 2020 nach Abzug der Gebühren um 1,44 Prozentpunkte hinter den entsprechenden passiven Fonds zurückgeblieben sind. Das war der schlechteste Wert seit vier Jahren und der zweite schlechteste seit 2012. 

Aktienfonds aus Schwellenländern performten um 1,36 Punkten schlechter als passive Fonds – das ist die zweitschlechteste relative Wertentwicklung seit 2008. In absoluten Zahlen verloren US-Aktienfonds laut Copley durchschnittlich 20,9 Prozent, während EM-Fonds um 25 Prozent einbrachen.

In den vergangenen Jahren hatten aktiv gemanagte Fonds die Benchmarks immer wieder verfehlt und häufig dafür die historisch niedrige Volatilität und Streuung in den unterschiedlichen Sektoren verantwortlich gemacht. Aktien tendierten dazu, im Gleichklang leicht zu steigen oder zu fallen, was es für „Stockpicker“ schwierig machte, bessere Renditen zu erzielen und damit auch die höheren Gebühren zu rechtfertigen. 

Im ersten Quartal dieses Jahres waren solche Ausreden nicht möglich. Angesichts der Corona-Krise und der sektoralen Streuung stieg die Volatilität über das Niveau, das zuletzt auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise zu verzeichnen war. Die Kurse von Ölkonzernen, Minen und Banken brachen ein, während sich Gesundheits-, Telekommunikations- und Softwareunternehmen deutlich besser behaupteten. 

In diesem theoretisch eigentlich idealen Umfeld für aktives Fondsmanagement schnitten die aktiven Fonds jedoch noch schlechter als in der Vergangenheit ab und untertrafen ihre jeweiligen Benchmarks nochmals gewaltig. 

„Das zeigt uns, dass die [Stockpicking] Branche auf einem Mythos aufgebaut ist und dieser Mythos in Stücke gerissen wurde“, sagte Alan Miller, Chief Investment Officer bei SCM Direct, zur Financial Times. 

Aktive Manager hatten den Kunden immer kommuniziert, dass sich die zusätzlichen Gebühren, die sie erheben, in einem Abschwung bezahlt machen würden, sagte er. „Es stellt sich heraus, dass das Gegenteil der Fall ist.“ 

Eine separate Analyse von 627 in Großbritannien ansässigen Aktienfonds durch SCM Direct ergab, dass die Fonds, die in britische Aktien investieren, im ersten Quartal um 2,8 Prozentpunkte hinter dem FTSE All-Share-Index zurückblieben. US-, EM- und Japan-Fonds blieben laut SCM ebenfalls hinter den Erwartungen zurück, während europäische Fonds mit dem Benchmark Schritt hielten. 

Ein Grund für die Performance war laut FT dass Fonds, die die Anleger vor dem schlimmsten Ausverkauf schützen wollten, in günstigere Aktien gewechselt sind, die traditionell als defensiver angesehen wurden. „Wachstumsaktien“ – also Unternehmen mit schnell wachsenden Umsätzen oder Erträgen – übertrafen diese im Vergleich zu Erträgen oder Vermögenswerten als günstig eingestufte „Wertaktien“ um die größte Marge seit 2017.

Dies war hauptsächlich auf die relative Stärke von Unternehmen wie Apple, Microsoft und Alibaba zurückzuführen, die durch aktive Fonds Großteils untergewichtet waren.