Bloomberg: Wirecard-CEO Markus Braun verkündet Totalumbau

| 4. Mai 2020, 11:23
Wirecard

BERLIN, 4. Mai (WNM/Bloomberg) – Wirecard plant mit umfassenden Compliance- und Kontroll-Maßnahmen das Vertrauen der Investoren wieder zu gewinnen, sagt CEO Markus Braun. In einem Gespräch mit Bloomberg schließt er einen Rücktritt aus.

Der Zahlungsdienstleister werde die Details zu neun „Projekten“ verkünden, mit denen „weltweite interne Kontrollsysteme, einschließlich wie das Unternehmen berichtet, wie Compliance-Verletzungen gehandhabt und wie mit Geschäftspartner umgegangen wird“ verbessert werden sollen, sagte Braun zu Bloomberg.

Diese Projekte sind eine Reaktion auf einen unabhängigen KPMG-Bericht, in dem die Wirtschaftsprüfer davon sprachen, dass es ihnen nicht möglich war, benötige Informationen zu erhalten. Außerdem kritisierte KPMG Wirecard wegen interner Defizite und der mangelnden Mithilfe von Wirecard-Drittpartnern.

Braun wiederholte sein Vorhaben, zukünftig die Compliance zu verbessern und die Geschäftstätigkeit mit Geschäftspartnern einzustellen, die Zahlungen in Ländern abwickeln, in denen Wirecard selbst keine Lizenz besitzt. Diese Art von Verträgen umfassten vergangenes Jahr rund die Hälfte aller Wirecard-Transaktionen.

„Wir werden unsere geschäftlichen Aktivitäten mit Drittpartnern massiv zurückschrauben und diese innerhalb der nächsten beiden Jahre mit unseren eigenen Lizenzen abwickeln“, sagte Braun. Er betonte, dass die Maßnahmen Umsatz und Gewinnmargen nicht betreffen werden.

Braun räumte ein, dass noch mehr zu tun sei, sagte aber, dass bereits Fortschritte erzielt wurden. Er verwies auf ein Projekt das Mitte 2019 initiiert wurde, um die interne Kontrolle in Singapore zu stärken. Diese Initiative wurde weltweit umgesetzt und habe die Standards verbessert.

Braun sagte auch, dass Wirecard den Personalstand in den Compliance-Abteilungen bereits von 100 auf 160 erhöht habe. 

Den vom aktivistischen Investor Chris Hohn von TCI Fund Management geforderten Rücktritt lehnt Braun ab. Er sagte, er bringe Wirecard ein „substantielles Wertsteigerungs-Potential“ mit einem „klaren Plan, um die Umsätze und Gewinne um ein Vielfaches“ innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erhöhen.

„Wir sind auf Kurs die gesteckten Finanz-Ziele für 2020 zu erreichen und unseren langfristigen Ausblick aufrecht zu erhalten“, sagt Braun. Die Corona-Pandemie hatte zwar Auswirkungen auf das Geschäft mit Fluglinien, andere Bereichen wie der Online-Handel hätten aber profitiert. 

„Alle Wachstumstreiber sind intakt, werden durch den Trend zur Digitalisierung verstärkt und durch Corona beschleunigt“, sagte Braun zu Bloomberg.