Inflation: Gemüse wird in Deutschland immer teurer

| 8. Juni 2020, 11:19
Paprika (Hans Braxmeier from Pixabay)

HOHENHEIM, 8. Juni (WNM/Universität Hohenheim/Florian Klebs) – Die vorläufige Inflationsrate in Deutschland lag laut Statistischem Bundesamt im Mai 2020 bei 0,6 Prozent (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/05/PD20_190_611.html). Diese Zahl wird aber von einem Preisrückgang von 8,5 Prozent für Energie – also Haushaltsenergie und Kraftstoffe – stark beeinflusst.  Die Preise für Nahrungsmittel stiegen im Mai nämlich um 4,5 Prozent, im April sogar um 4,8 Prozent. 

Eine noch höhere Inflationsrate für Lebensmittelpreise errechnet die Universität Hohenheim: Um die Entwicklung der Lebensmittel-Inflation besser zu veranschaulichen, haben Wissenschaftler den „Chili-con-Carne-Index“ entwickelt. Bereits Mitte April hatten sie einen Preisanstieg von 6 Prozent für dieses Gericht errechnet. Ein Trend, der sich fortsetzt, wie eine zweite Erhebung Ende Mai bestätigte: Innerhalb von vier Monaten verteuerten sich die Zutaten bereits um rund 7,5 Prozent. Preistreiber war dabei vor allem das Gemüse. So stiegen die Preise für Paprika um fast 15 Prozent, für Mais um 14 Prozent und für Tomaten um rund 13 Prozent, während der Preisanstieg für Hackfleisch eher moderat ausfiel.

Für ihre Analyse beobachten die Wirtschaftswissenschaftler Jan Swiatkowski und Marius Puke aus dem Team von Prof. Dr. Hans-Peter Burghof seit Februar 2020 die Preisentwicklung der Online-Angebote großer europäischer Supermarktketten. Mit ihrer Analyse beleuchten sie ein Detail, das in Inflations-Statistiken weniger im Fokus steht. Deren Grundlage für die Berechnung der Teuerungsrate ist der so genannte Warenkorb. Das ist ein Bündel von Gütern und Dienstleistungen, dessen Zusammensetzung aus dem Konsum der Verbraucher in der Vergangenheit abgeleitet ist.

Doch durch die Corona-Krise hat sich das Konsumverhalten der Menschen verändert: Es sei zu befürchten, dass sich die Preissteigerungsrate für Haushalte mit niedrigerem Einkommen deutlich von der anhand des Warenkorbs ermittelten Inflationsrate unterscheidet, vermuten die Ökonomen der Universität Hohenheim. Dies sei darauf zurückzuführen, dass Lebensmittel mit gerade bei wirtschaftlich schwächeren Haushalten einen überdurchschnittlich hohen Anteil des üblichen Konsums ausmachen.

Um die unterschiedliche Entwicklung zu veranschaulichen, haben die Wissenschaftler den „Chili-con-Carne-Index“ eingeführt. In dem Warenkorb wurden ca. 70 Produkte zusammengestellt, die als Zutaten für die Herstellung dieses Gerichts Verwendung finden können. Dieser Warenkorb mache Inflation für den Normalverbraucher „erlebbar“, so die Erfinder des Index.