Pharmakonzerne machen kaum Fortschritte im Kampf gegen „Super-Bakterien“

| 24. Januar 2020, 1:24

LONDON, 21. Januar (WNM/Reuters/Kate Kelland) – Pharmaunternehmen machen nur wenige Fortschritte in der Entwicklung, um die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen einzudämmen. Das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Entwicklungsarbeit sei nicht ausreichend, um globale Gesundheitsrisiken durch so genannte Superbakterien zu bekämpfen. Das zeigt eine aktuelle AMR-Benchmark-Analyse. 

Die Ergebnisse des zweiten AMR-Benchmark-Berichts (antimicrobial resistance) zeigen, dass einige Pharmaunternehmen zwar ihre Aktivitäten in die Richtung ausgeweitet haben, trotzdem aber zu wenig dafür getan wird, um tatsächlich das Problem zu lösen.

Die geringe Profitabilität von Antibiotika führt dazu, dass nur noch wenige Pharmaunternehmen in deren Entwicklung und Herstellung investieren. 

Dem AMR-Benchmark-Bericht für 2020 zufolge haben sich zwei weitere Unternehmen - Novartis und Sanofi - aus der Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika zurückgezogen. Zwei weitere Pharmafirmen haben Insolvenz angemeldet. 

In dem Bericht wurden drei Pharmaunternehmen - GSK, Entasis und Cipla - als führend in der Forschung und Entwicklung von antimikrobiellen Wirkstoffen ausgewiesen, gefolgt von Pfizer und Johnson & Johnson.

Schätzungen zufolge sterben allein in den USA jährlich 35.900 Menschen an Antibiotika- und Antimykotika-Resistenzen. In der Europäischen Union und im Europäischen Wirtschaftsraum zeigen Daten, dass die Resistenz gegen antimikrobielle Mittel mindestens 17 Prozent aller Infektionen ausmacht und jedes Jahr zu 33.000 Todesfällen führt. In Indien liegt die Arzneimittelresistenz bei vielen weit verbreiteten Bakterien bereits bei über 70 Prozent, heißt es im AMR-Bericht. 

Im Vergleich zu 2018 ist die Zahl der sich in Entwicklung befindlichen Medikamente zur Bekämpfung von Bakterien- und Pilzinfektionen nach wie vor gering. Dem Bericht zufolge wurden nur 51 potenzielle Behandlungen in klinischen Studien im Spätstadium durchgeführt. 

„Diese zweite Benchmark-Studie bietet einen Realitäts-Check", sagte Jayasree Iyer, Geschäftsführer der Access to Medicine Foundation, die den alle zwei Jahre erscheinenden AMR Benchmark-Bericht veröffentlicht. „Der Fortschritt, den wir sehen, wird durch unsere zunehmende Abhängigkeit von nur einer Handvoll Unternehmen überschattet.“ 

Medikamentenresistenz wird durch den Missbrauch und den übermäßigen Gebrauch von Antibiotika und anderen antimikrobiellen Wirkstoffen ausgelöst. 

Der AMR-Benchmark überblickt 30 Unternehmen am Markt für Antiinfektiva, darunter multinationale Pharmaunternehmen, Biotechnologieunternehmen und Generikahersteller.