Suchmaschinen: Mehr Auswahl auf Android-Smartphones

| 3. März 2020, 17:36

Berlin, 3. März (WNM) - Seit dem 1. März haben Käufer neuer Android- Smartphones und -Tablets in der EU mehr Auswahl was die Suchmaschinen betrifft. War bisher Google als alleinige Suchmaschine vorinstalliert, kann sich der Nutzer nun beim Einrichten seines Geräts zwischen Google und drei weiteren Anbietern entscheiden.

Welche das sind, ist von dem Land abhängig, in dem das Smartphone erworben wird. Einige Suchmaschinen wie DuckDuckgo stehen überall zur Wahl. GMX nur in Deutschland und Österreich. Die russische Suchmaschine Yandex wird den Nutzern unter anderem in Polen, Finnland und den baltischen Staaten angeboten. Die französische Suchmaschine Qwant können Nutzer unter anderem in Frankreich, Belgien und Italien auswählen.

"Bislang  war der Eintritt in den Mobilfunkmarkt sehr schwierig, und er ist es in vielerlei Hinsicht noch immer. Damit die Benutzer eine alternative Suchmaschine wählen konnten, mussten wir sie auf ihre Existenz aufmerksam machen und erklären, wie sie dahin wechseln können. Der Auswahlbildschirm wird in dieser Hinsicht helfen, und er etabliert Qwant als ein Konkurrenzprodukt." sagte Guillaume Champeau, der Verantwortliche für Ethik und Rechtsangelegenheiten bei Qwant, dem World News Monitor.

Google hatte sich zu dem Schritt entschlossen, nachdem die EU- Kommission den Internetriesen wegen des Missbrauchs seiner Marktdominanz zu einer Geldstrafe von 4,34 Milliarden Euro verurteilte hatte. Dies ist die höchste Kartellstrafe, die in der EU je gegen ein Unternehmen verhängt worden ist. "Die Kommission setzt sich für eine vollständige und wirksame Umsetzung der Entscheidung ein. Wir werden die Umsetzung des Auswahlbildschirm-Mechanismus weiterhin genau beobachten." so Arianna Podesta, Sprecherin der Kommission für Wettbewerbsfragen, gegenüber dem World News Monitor.

Die drei Alternativplätze hat Google für jedes einzelne Land der EU in einem geheimen Verfahren versteigert. Ein solches  Bietverfahren will Google künftig jedes Quartal durchführen. Die aktuellen Anbieter stehen somit nur für den Zeitraum vom 1. März bis zum 30. Juni 2020 fest. Und nicht jeder ist mit diesem Procedere einverstanden. So sagte Christian Kroll, Gründer und CEO der Suchmaschine Ecosia: "Unserer Meinung nach entspricht diese Auktion und dass kleinere Wettbewerber für eine Position auf dem Screen zahlen sollen nicht dem Gedanken hinter dem Beschluss der EU Kommission vom Juli 2018. Internetnutzer verdienen die Freiheit selbst zu wählen welche Suchmaschine sie benutzen und diese Reaktion von Google ist ein Affront gegen unser Recht auf ein freies und offenes Internet. Aus diesem Grund haben wir die Auktion boykottiert und andere Suchmaschinen gebeten, dies ebenfalls zu tun."

Jens Fauldrath, Gründer und Geschäftsführer der get:traction GmbH zeigt sich bezüglich des Nutzens für die anderen Wettbewerber skeptisch : "Es bleibt abzuwarten, wie sehr diese Auswahlfunktionen genutzt werden.  Die Anbieter werden sicher messen, wie viele Zugriffe und Werbeeinnahmen sie über diese Integration verdienen. Der Preis in der nächsten Ausschreibung wird sich danach richten."

Ilja Grabowski vom Pressedienst von Yandex hingegen ist zuversichtlich, dass seine Firma von der neuen Regelung profitieren wird: "Diese ebnet den Weg für den Wettbewerb. Das bedeutet, dass die Qualität der Dienstleistungen aller Akteure auf dem Markt wächst. Der Nutzer profitiert, da er die Möglichkeit erhält, das Produkt auszuwählen, das seine Aufgaben am schnellsten und effizientesten löst."