Financial Times fährt weitere Attacke gegen Wirecard

| 5. Mai 2020, 9:32

LONDON, 5. Mai (WNM/Financial Times) - Wirecard-Zahlungen in der Höhe von einer Milliarde Euro flossen auf Treuhandkonten, die von einem nicht genannten Treuhänder überwacht wurden. Das entspricht fast einem Viertel der von Wirecard im Berichtszeitraum gemeldeten weltweiten Einnahmen, kritisiert die Financial Times. Der Treuhänder hatte die Geschäftsbeziehung zu dem Zeitpunkt beendet, als die KPMG-Untersuchung Ende vergangenen Jahres begann.

Wirecard unterstützt Unternehmen dabei, Kredit- und EC-Kartenzahlungen von ihren Kunden zu akzeptieren. In Europa hält Wirecard eine Banklizenz um als sogenannte „abrechnende Bank“ tätig zu sein. 

Da Wirecard in einigen Ländern nicht über solche Lizenzen verfügt, nutzt das Unternehmen für rund die Hälfte aller abgewickelten Zahlungen externe Firmen. Wirecard koordinierte dieses Drittgeschäft hauptsächlich über Dubai, Dublin und München, wo drei der größten und profitabelsten Tochterunternehmen der Gruppe ansässig sind. 

Die Wirtschaftsprüfer von KPMG erklärten im aktuellen Prüfbericht, dass diese drei Einheiten vor der Aufteilung der zentralen Kosten den „Löwenanteil“ des Betriebsgewinns von Wirecard zwischen 2016 und 2018 ausmachten, der sich auf 985 Millionen Euro belief. 

Wirecard behandelte die drei Hauptpartner als Erweiterung der eigenen Geschäftstätigkeit und inkludierte deren Einnahmen und Kosten aus der Zahlungsabwicklung im eigenen Jahresabschluss. 

Diese drei Partner sollten eigentlich Geld an Wirecard übermitteln, um ihren Anteil am Geschäft widerzuspiegeln. Davon floss aber wenig direkt an die Wirecard-Gruppe, schreibt die Financial Times.

Buchhaltungsunterlagen zeigen, dass zwei Partner im Berichtszeitraum zusammen 85 Millionen Euro auf Konten der Wirecard-Bank gezahlt haben, sagte KPMG. 

Zahlungen in der Höhe von einer Milliarde Euro - das entspricht fast einem Viertel der von Wirecard im Berichtszeitraum gemeldeten weltweiten Einnahmen – flossen hingegen auf Treuhandkonten, die von einem nicht genannten Treuhänder überwacht wurden. 

KPMG gab an, keine Kontoauszüge zur Überprüfung der Zahlungen in Höhe von einer Milliarde Euro erhalten zu haben. 

Der Treuhänder hatte ohne Nennung eines Grundes die Geschäftsbeziehung zu Wirecard zu dem Zeitpunkt beendet, als die Untersuchung Ende vergangenen Jahres begann, schreibt die Financial Times.

KPMG wurde mitgeteilt, dass der Treuhänder, der mehr als drei Jahre für Wirecard gearbeitet hatte, nicht mehr auf Anfragen reagierte und nicht kooperierte. 

Dem Bericht zufolge erhielten die Sonderprüfer keine Belege dafür, dass Wirecard die Zuverlässigkeit des Treuhänders oder seines Nachfolgers beurteilte. Die Bank, die das Treuhandkonto verwaltet, wurde ebenfalls ersetzt.