Star-Investorin zu Wirecard: „Kann das alles ein harmloser Zufall sein?“

| 27. Mai 2020, 10:54
Wirecard

LONDON, 27. Mai (WNM/Financial News) – Die Hedgefonds-Managerin Fahmi Quadir gelangte 2018 zu Berühmtheit, als sie in der Netflix-Dokumentation „Dirty Money“ auftrat. Darin hatte sie es auf den von einem Buchhaltungsskandal gebeutelten Arzneimittelhersteller Valeant abgesehen. Valeant musste letztendlich den Firmennamen ändern und die Führungsmannschaft austauschen.

Mit nur 29 Jahren ist Quadir eine der jüngsten Top-Hedgefonds-Managerinnen weltweit. Seit einiger Zeit hat sich auch Wirecard im Visier. Eine „signifikante“ Short-Wette von Qaudirs Fonds Safkhet war bereits ein großer Erfolg, als die Wirecard-Aktie am 28. April um 37 Prozent einbrach. 

In einem Interview mit der britischen Finanzzeitung Financial News teilt Quadir ihre Einschätzung zu Wirecard (https://www.fnlondon.com/articles/qa-with-safkhets-fahmi-quadir-i-love-investigating-frauds-and-making-money-at-their-expense-20200527):

„Wirecard konnte sich seinen Kritikern ein Jahrzehnt lang erfolgreich entziehen. Wir haben uns zunächst auf das Neue in der Geschichte konzentriert und das war ursprünglich die Übernahme des nordamerikanischen Prepaid-Kartengeschäfts von Citigroup. 

Es ist unmöglich, Wirecard anhand des Jahresabschlusses zu verstehen, selbst wenn Sie in die Tiefe der Tochtergesellschaften durchdringen. 

Bei Wirecard gibt eine nahezu vollständige Informationsineffizienz. Es ist außerordentlich komplex und der durchschnittliche Investor – egal ob mit Short- oder Long-Positionen – hat weder das Interesse noch die Möglichkeit, dieses Netz gründlich zu entwirren.

Eine nützliche Übung besteht darin, eine Liste der verschiedenen Unregelmäßigkeiten zu erstellen und sich dann zu fragen: Kann das alles ein harmloser Zufall sein? 

Es ist nicht zu unterschätzen, wie wichtig es für die deutsche Marktstimmung ist, dass die deutsche KPMG einen Realitäts-Check der Undurchsichtigkeit bei Wirecard durchführt.“ 

Eine Wirecard-Sprecherin hatte als Reaktion auf das Financial News-Interview mit Fahmi Quadir geantwortet: 

„Unser Jahresabschluss wird von einer der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften geprüft. Es ist schade, dass Fahmi Quadir der Meinung ist, dass dieser ‚unmöglich zu verstehen‘ und ‚übermäßig komplex‘ sei.

Wirecard weist die Behauptungen als äußerst opportunistisch zurück. Durch diese Art von unbewiesenen Behauptungen optimieren Leerverkäufer ihre Gewinne - auf Kosten des Kapitalmarktes. Der KPMG-Prüfungsbericht hat Wirecard in den Bereichen Singapur, Indien und MCA (Merchant Cash Advance) entlastet. Im Geschäftsbereich mit TPA-Partnern (Third Party Partner Business) konnte keine Bilanzmanipulation nachgewiesen werden.“