Studie: Finanzbranche beschäftigt häufig vertrauensunwürdige Mitarbeiter

| 13. September 2020, 6:38

KÖLN, 12. September (WNM/Universität zu Köln/Gabriele Meseg-Rutzen) – Deutsche Forscher haben einen möglichen Grund für die Skandale der Finanzbranche gefunden: Sie haben in einer experimentellen Studie die Vertrauenswürdigkeit von Studierenden gemessen und festgestellt, dass die am wenigsten vertrauenswürdigen später verstärkt in der Finanzindustrie arbeiten.

Das Ergebnis der Studie: 2013 waren Studierende, die ihre Karriere in der Finanzwelt planten, um 30 Prozent weniger vertrauenswürdig als solche, die nach ihrem Studium ihren Berufseinstieg in einer anderen Branche sahen. 2019 und 2020 wiederholte das Forschungsteam die Befragung und stellte fest, dass die weniger vertrauenswürdigen Personen auch tatsächlich in der Finanzwelt einen Job angenommen hatten.

„Studierende, die in der wettbewerbsintensiven Finanzwelt arbeiten möchten, sind weniger vertrauenswürdig als jene, die in anderen Branchen arbeiten wollen. Die Finanzwelt scheint aber weniger vertrauenswürdige Personen im Laufe eines Einstellungsprozesses nicht auszusortieren, sondern tatsächlich einzustellen. Zudem wechseln nur vier Prozent der Arbeitnehmer aus den Finanzen in eine andere Branche, was die Auswahl der Mitarbeiterinnen besonders wichtig macht“, erläutert Matthias Heinz, Professor bei ECONtribute: Markets & Public Policy und an der Universität zu Köln die Ergebnisse. Es sei weitere Forschung notwendig, um Einstellungsprozesse in der Finanzwelt zu verstehen und Implikationen für die Politik abzuleiten, fasst das Forschungsteam zusammen.

Quelle: Universität zu Köln