Landnutzung verschärft Folgen von Waldbränden

| 31. Juli 2026, 11:06

WNM - 31. Juli 2026 - Es wird heißer in einzelnen Regionen Europas. Über die Ursachen wird mit fast religiösem Eifer gestritten. Doch unabhängig von Theorien gibt es Fakten. So ist die Landnutzung ein Problem. Sie macht Gegenden anfälliger für Brände und setzt die Menschen einem höherem Risiko aus, weil sie die in der Nähe von leicht entflammbaren Wäldern leben

Die globale Erwärmung machte heißes, trockenes und windiges Wetter in Spanien mindestens 20-mal und in Frankreich doppelt so wahrscheinlich, haben Experten des Konsortiums World Weather Attribution (WWA) aktuell berechnet.

Die Studie enthält interessante Erkenntnisse, die über den erbittert geführten Streit, ob der Klimawandel von Menschen gemacht ist, hinausgehen und die für die künftige Risiko Abwägung von Bedeutung sind.  

Seit den 1950er-Jahren nimmt die Zahl der Tage mit extremem Feuerwetter in Portugal, Spanien und Frankreich deutlich zu. In den am stärksten betroffenen Gebieten kamen pro Jahrzehnt bis zu fünf zusätzliche Tage mit extremem Feuerwetter hinzu. Auch bias-korrigierte globale Klimamodelle zeigen für Europa übereinstimmende Aufwärtstrends beim Fire Weather Index (FWI)

Zugleich verlängert sich die Feuerwettersaison. Das Zeitfenster, in dem Wetterbedingungen die Entstehung und Ausbreitung von Bränden begünstigen, wird damit größer. Diese Entwicklung verlief nicht gleichmäßig. In den vergangenen Jahrzehnten nahm die Zahl der Tage mit extremem Feuerwetter stärker zu als in früheren Zeiträumen. Extrembedingungen treten inzwischen auch außerhalb der bisherigen Feuerwettersaison auf.

Weniger verbrannte Fläche trotz extremerer Bedingungen

Die Entwicklung der verbrannten Flächen folgt diesem Trend allerdings nicht unmittelbar. Die Brandaktivität im europäischen Mittelmeerraum ist eng mit heißen und trockenen Bedingungen verbunden. Dennoch nahm die verbrannte Fläche in den vergangenen Jahrzehnten nicht in dem Maß zu, das allein aufgrund der klimatischen Entwicklung zu erwarten gewesen wäre 

Mehrere Studien stellten in Italien, Spanien und Südfrankreich sogar einen Rückgang der verbrannten Flächen fest. Für Portugal fallen die Ergebnisse uneinheitlicher aus. Für den gesamten europäischen Mittelmeerraum wurde zwischen 1985 und 2011 eine Verringerung der verbrannten Fläche um etwa 66 Prozent ermittelt.

Als wesentlicher Grund dafür gelten verstärkte Maßnahmen zur Brandprävention und Brandbekämpfung. Die gegenläufigen Entwicklungen zeigen, dass günstige Brandbedingungen nicht automatisch zu einer entsprechend größeren verbrannten Fläche führen. Entscheidend ist auch, wie Landschaften bewirtschaftet werden, wie schnell Brände entdeckt werden und welche Mittel für ihre Bekämpfung zur Verfügung stehen.

Diese Erfolge verhindern jedoch nicht alle schweren Brände. Einzelne Feuer können die Kapazitäten der Einsatzkräfte übersteigen. Eine konsequente Unterdrückung kleinerer Brände kann außerdem dazu führen, dass sich brennbares Material in der Landschaft ansammelt. Treffen dieses Brennmaterial, eine Zündquelle und extremes Feuerwetter zusammen, können Brände besonders schwer zu kontrollieren sein.

Landnutzung verändert das Risiko

Veränderungen der Landnutzung und Landbedeckung haben das Brandrisiko in Europa erhöht. Nach einschlägigen Untersuchungen verlief diese Entwicklung schneller als die Investitionen in Brandprävention und Brandbekämpfung.

Dabei geht es nicht nur darum, ob eine Fläche bewaldet ist. Entscheidend sind auch die Art der Vegetation, ihre Dichte, die Bewirtschaftung der Flächen und die Nähe zu Siedlungen. Dichte, leicht entzündliche Bestände können die Ausbreitung von Bränden begünstigen. Werden ländliche Flächen aufgegeben, kann sich dort zusätzliche Vegetation ansammeln. Gleichzeitig wächst vielerorts die Bevölkerung in Gebieten, die unmittelbar an Wälder und andere brennbare Landschaften grenzen.

Frankreich: Kiefernwälder und wachsende Siedlungen

Ein Beispiel dafür sind die Landes de Gascogne im Südwesten Frankreichs. Das Gebiet wird von künstlich angelegten und dicht gepflanzten Kiefernwäldern geprägt. Ihre Ursprünge reichen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurück. Heute bedecken die Bestände mehr als 800.000 Hektar.

Die Region war bereits 1949 Schauplatz des größten und verheerendsten Waldbrandes der jüngeren französischen Geschichte. Damals verbrannten rund 52.000 Hektar und damit ungefähr die Hälfte der zu dieser Zeit bestehenden Kiefernwälder. 82 Menschen kamen ums Leben.

Die Organisation der Waldbrandprävention und des Waldbrandmanagements war in der Region lange zersplittert. Zwischen nationalen, lokalen und privaten Akteuren bestanden unterschiedliche Zuständigkeiten und Befugnisse. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Waldbrandmanagement jedoch verbessert.

Zwischen 1991 und 2007 verzeichnete das Département Gironde unter den französischen Départements die höchste Zahl an Brandausbrüchen. Bei der Zahl größerer Brände lag es dagegen deutlich niedriger.

Nach der außergewöhnlichen Brandsaison 2022, in der in Frankreich mehr als 62.000 Hektar verbrannten, verstärkte die Regierung die Vorbereitung auf Waldbrände. Dazu gehörten zusätzliche Mittel für die Brandbekämpfung sowie Verbesserungen bei Evakuierungsplänen, Vorhersagen und Warnsystemen.

Im Januar 2026 startete die französische Regierung außerdem eine Aufklärungskampagne zur Entfernung von Unterholz. Für Hauseigentümer im Umkreis von 200 Metern um brandgefährdete Gebiete ist eine solche Beseitigung von Vegetation gesetzlich vorgeschrieben.

Wirtschaftliche Interessen erschweren Veränderungen

Die Kiefernwälder der Landes de Gascogne sind zugleich von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die Region bildet ein Zentrum der französischen Holzindustrie. Mehr als 30.000 Arbeitsplätze hängen mit diesem Wirtschaftszweig zusammen. Die jährlichen Einnahmen der Holzindustrie in der Region Nouvelle-Aquitaine werden auf rund zehn Milliarden Euro geschätzt.

Als mögliche Maßnahme zur Verringerung des Brandrisikos wird eine stärkere Mischung der Kiefernbestände mit weniger leicht entflammbaren Laubbaumarten diskutiert. In der Praxis wird eine solche Diversifizierung bislang jedoch selten umgesetzt. Als Gründe werden die geringere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Rentabilität entsprechender Wälder genannt.

Gleichzeitig wächst die Bevölkerung in den Landes de Gascogne. Nahezu alle 390 Gemeinden der Region verzeichneten Bevölkerungszuwächse. Damit leben mehr Menschen in Gebieten, die Waldbränden ausgesetzt sind. Brände bedrohen dort nicht nur Wälder und wirtschaftlich genutzte Flächen, sondern auch Wohnhäuser, Verkehrswege und andere Infrastruktur.

Spanien: Dichtere Wälder nach der Aufgabe ländlicher Flächen

Auch in Spanien hängt das Brandrisiko eng mit Veränderungen der Landnutzung zusammen. Dazu gehören die Aufgabe landwirtschaftlicher und anderer ländlicher Flächen sowie die Urbanisierung. Untersuchungen verweisen zudem auf veränderte Bewirtschaftungssysteme und auf Gebiete, in denen Wälder durch leichter entflammbare Vegetation ersetzt wurden.

Wird eine zuvor bewirtschaftete Fläche aufgegeben, können Sträucher und Bäume dichter wachsen. Damit nimmt auch die Menge des verfügbaren Brennmaterials zu. In Castelló stieg der Anteil dichter Wälder innerhalb eines Zeitraums von 50 Jahren bis 2007 von 17 auf 28 Prozent.

Zur Verringerung des Risikos werden in Spanien unterschiedliche Maßnahmen eingesetzt. Dazu gehören kontrollierte Brände, die Ausdünnung dichter Bestände und die Wiederaufforstung mit weniger leicht entflammbaren Arten. Auch ein stärker integriertes Landschaftsmanagement gewinnt an Bedeutung. Die Brände des Jahres 2026 überstiegen dennoch teilweise die Bewältigungskapazitäten der lokalen Einsatzkräfte.

Mehr Menschen sind den Folgen ausgesetzt

Die Waldbrände des Jahres 2026 in Frankreich und Spanien zeigen, dass nicht nur die Brandgefahr selbst entscheidend ist. Ebenso wichtig ist, wie viele Menschen und welche Infrastrukturen sich in gefährdeten Gebieten befinden.

Bevölkerungswachstum und die Ausdehnung von Siedlungen in die Übergangszonen zwischen bebauten Gebieten und Wäldern haben die Zahl der potenziell Betroffenen erhöht. Weil die Brände auf den Höhepunkt der Tourismussaison fielen, wurden Evakuierungen in den betroffenen Gebieten zusätzlich erschwert.

Die Folgen beschränkten sich nicht auf die unmittelbar verbrannten Flächen. Die Feuer verursachten hohe Kohlenstoffemissionen und eine großflächige Rauchbelastung. In weiten Gebieten verschlechterte sich die Luftqualität auf ein gesundheitsgefährdendes Niveau. Behörden ordneten an, in Gebäuden zu bleiben, veröffentlichten Luftqualitätshinweise und verteilten FFP2-Masken.

Waldbrandrauch kann die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System belasten. Außerdem bestehen Risiken für die psychische Gesundheit. Besonders gefährdet sind Menschen, die bereits gesundheitlich vorbelastet oder aus anderen Gründen besonders schutzbedürftig sind.

Die Entwicklung in Frankreich und Spanien macht eine Kombination von problematische Faktoren sichtbar: Extremes Feuerwetter trifft auf Landschaften, deren Nutzung und Vegetationsstruktur die Ausbreitung von Bränden begünstigen können. Zugleich leben immer mehr Menschen in diesen Gebieten. Die entscheidende Frage scheint zu sein, wie Wälder, landwirtschaftliche Flächen und Siedlungsräume künftig bewirtschaftet und entwickelt werden, um Waldbrände des aktuellen Ausmaßes einzudämmen. 

Hier die Berechnungen mit wissenschaftlichen Quellen