Schuldenkrise: Renditen für Staatsanleihen steigen deutlich

Der Bondmarkt zeigte am Dienstag Nervosität: Investoren trauen den Staaten offenbar nicht zu, dass sie ihr Schulden in den Griff bekommen.

US-Finanzminister Scott Bessent spricht mit Reportern bei seiner Ankunft zum Treffen der G20-Finanzminister und Zentralbankgouverneure am 31. August 2026 in Asheville, North Carolina. (Foto: Allison Joyce / AFP)

Die Renditen globaler Staatsanleihen erreichten am Dienstag den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Steigende Ölpreise schürten die Inflationssorgen. Die Anleger erwarteten verstärkt eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank.

Die hohen Schulden wegen der vielen globalen Kriege und der damit verbundenen Aufrüstung könnten dazu führen, dass die Regierungen verstärkt über Austeritätsprogramme werden nachdenken müssen.

Anleihen aus Japan und Australien gaben nach. Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen erreichte erstmals seit 1996 die drei Prozent-Marke. Zuvor hatte ein Ausverkauf von US-Staatsanleihen die Rendite zehnjähriger US-Anleihen auf den höchsten Stand seit Januar 2025 getrieben.

Seit Anfang 2026 schloss die Rendite bereits an 55 Handelstagen über der Marke von fünf Prozent. Laut Bloomberg wurde eine solche Häufung zuletzt 2006 beobachtet. Am Dienstag lag die Rendite bei 5,27 Prozent.

Die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen stieg am Dienstag um sieben Basispunkte auf 5,223 Prozent gestiegen – der höchste Wert seit Juni 2008.

Der amerikanische Finanzminister Scott Bessent deutete an, dass Japan eine Zinserhöhung planen könnte. Er bereit sich mit seinem japanischen Amtskollegen, ebenso wie mit den Finanzministern Russlands und Chinas.

Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen, der Benchmark der Eurozone, stieg um zwei Basispunkte auf 3,34 Prozent und erreichte damit ein neues 15-Jahres-Hoch.

Die Inflation in Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Eurozone, zog im August auf 2,9 Prozent an. Treiber dieser Entwicklung waren laut vorläufigen Daten von Eurostat vom Montag die gestiegenen Energiepreise. Der Anstieg fiel jedoch geringer aus als erwartet, und die Kerninflation, die Energie- und Lebensmittelkosten ausklammert, blieb laut dem Guardian bei 2,4 Prozent.

Die Rendite des Bloomberg-Index für globale Staatsanleihen stieg am Montag den vierten Tag in Folge auf 3,72 Prozent – den höchsten Stand seit Mitte 2008.

Die Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen liegt fast wieder auf dem Niveau vor der Entscheidung von Finanzminister Bessent im letzten Monat, die Anleihenrückkäufe des US-Finanzministeriums mindestens zu verdoppeln. Steigende Renditen drohen auch die Attraktivität von Aktien zu schmälern und damit eine globale, durch künstliche Intelligenz getriebene Rallye zu gefährden. Der MSCI All Country World Index ist seit seinem Rekordhoch Mitte August um etwa ein Prozent gefallen.

„Der Anleihenmarkt bricht zwar nicht zusammen, sendet aber ein klares Signal: Eine anhaltend hohe Inflation bedeutet mindestens höhere Leitzinsen über einen längeren Zeitraum“, sagte Prashant Newnaha, Senior Asia-Pacific Rates Strategist bei TD Securities in Singapur, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Ich gehe davon aus, dass der Markt weiter fallen wird. Die Verschlechterung der Haushaltslage und die höheren Laufzeitprämien werden voraussichtlich weiterhin im Vordergrund stehen.“

„Alle erhöhen ihre Kreditaufnahme, während die Finanzierungskosten steigen“, sagte Eric Robertsen, Leiter der globalen Forschungsabteilung und Chefstratege bei Standard Chartered, der Financial Times (FT). „Die Haushaltslage verbessert sich nirgendwo. Solange sich diese fundamentalen Faktoren nicht ändern, fehlt dem langfristigen Ende der Anlagehorizont der Halt.“

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