China wirbt um Lateinamerika

Peking will die Beziehungen zu Lateinamerika unabhängig von politischen Machtwechseln in der Region ausbauen. Bei einem Symposium in Peking ging es um Handel, Infrastruktur und neue Technologien.

Illustration: World News Monitor (mit Hilfe von KI erstellt)
Illustration: World News Monitor (mit Hilfe von KI erstellt)

China will seine Beziehungen zu Lateinamerika weiter ausbauen – unabhängig davon, ob in der Region linke oder rechte Regierungen an der Macht sind. Das erklärte Qiu Xiaoqi, Sonderbeauftragter der chinesischen Regierung für Lateinamerika, laut der staatlichen chinesischen Zeitung Global Times auf einem Symposium in Peking.

Beziehungen ohne ideologische Grenzen

Peking präsentiert seine Politik gegenüber der Region als ideologiefrei und auf wirtschaftliche Zusammenarbeit ausgerichtet. Tatsächlich knüpft China engere Beziehungen jedoch an politische Bedingungen: Voraussetzung ist unter anderem die Anerkennung des Ein-China-Prinzips. Zugleich nutzte Qiu die Veranstaltung, um bekannte außenpolitische Positionen Pekings zu bekräftigen, darunter die Kritik an den US-Sanktionen gegen Kuba.

Handel auf Rekordniveau

Wirtschaftlich haben die Beziehungen stark an Gewicht gewonnen. Nach chinesischen Angaben erreichte der Handel zwischen China und Lateinamerika 2025 ein Volumen von 549 Milliarden US-Dollar. In den ersten acht Monaten dieses Jahres seien es bereits 422,64 Milliarden Dollar gewesen.

Auch Pekings Infrastrukturinitiative „Neue Seidenstraße“ spielt eine wichtige Rolle. 24 Staaten Lateinamerikas und der Karibik beteiligen sich nach chinesischen Angaben daran. Als Beispiele nannten Teilnehmer des Treffens den Hafen von Chancay in Peru, Photovoltaikprojekte in Brasilien und Industrievorhaben in Trinidad und Tobago.

Mehr als Infrastruktur

Chinesische Wissenschaftler betonten, die Kooperation verlagere sich zunehmend auf digitale Technologien, erneuerbare Energien und Innovation. Auch kleinere Sozial- und Entwicklungsprojekte stellte Peking heraus, darunter medizinische Hilfen, Wohnungsbau und Agrartechnologien.

Peking wirbt für mehr Einfluss des Globalen Südens

Qiu nutzte die Veranstaltung außerdem, um für eine Reform der internationalen Ordnung zu werben. Länder des Globalen Südens müssten stärker an globalen Entscheidungen beteiligt werden, erklärte er. Damit fügt sich das Treffen in Chinas breitere außenpolitische Strategie ein, seinen Einfluss in internationalen Institutionen und in Schwellen- und Entwicklungsländern auszubauen.

Als mögliches neues Kooperationsfeld nannten die Teilnehmer schließlich die Regulierung Künstlicher Intelligenz. Auch dort wirbt China für mehr Mitsprache des Globalen Südens – und zugleich für ein Governance-Modell, das den eigenen politischen Vorstellungen entspricht.

About WNM Redaktion 592 Articles
Die Artikel des World News Monitor (WNM) werden von Redakteuren recherchiert und geschrieben. Die Technologie von NewsTech hilft beim Auffinden von Themen und bei der Vertiefung der Recherche. Vor jeder Veröffentlichung erfolgt eine finale Qualitätskontrolle durch einen Redakteur.