Die Gespräche zwischen den USA und Kanada zur Abwendung drastischer neuer Zölle auf kanadische Waren sind gescheitert. Der kanadische Premierminister Mark Carney erklärte, er habe die Gespräche abgebrochen, nachdem die amerikanische Seite in letzter Minute Bedingungen eingebracht habe, die „unfair und unwirtschaftlich seien und die Verlässlichkeit eines Abkommens infrage stellten“. Am Samstag wandte sich Carney in einer Rede an die kanadische Bevölkerung und sagte, Kanada werde durch Präsident Trumps Zölle angegriffen und befinde sich im „Krieg“ mit den USA.
„Schlimmer als die Feinde“
Den amerikanischen Präsidenten Donald Trump dürfte diese Aussage nciht überraschen: „Unsere Verbündeten sind oft schlimmer als unsere Feinde“, hatte Trump im Februar 2025 gesagt, nur wenige Wochen nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus. Gemeint war zunächst der Handel. Doch der Satz beschreibt zunehmend auch Trumps Verhältnis zu traditionellen amerikanischen Partnern.
Kanada ist das jüngste Beispiel. Washington hat Zölle auf kanadischen Stahl, Aluminium, Fahrzeuge und andere Produkte verhängt. Der Konflikt belastet eine der am stärksten integrierten Handelsbeziehungen der Welt. Für Kanada ist der Schaden wegen seiner Abhängigkeit vom US-Markt besonders groß. Doch auch amerikanische Unternehmen und Verbraucher zahlen einen Preis, wenn Vorprodukte teurer werden und grenzüberschreitende Lieferketten gestört werden.
Südkorea
In Südkorea hat Trump den wirtschaftlichen Druck auf Seoul mit Forderungen nach höheren Beiträgen zur gemeinsamen Verteidigung verbunden. Gleichzeitig haben Veränderungen bei gemeinsamen Militärübungen und Trumps Bemühungen um einen neuen Dialog mit Nordkoreas Kim Jong Un in Seoul Zweifel an der Berechenbarkeit Washingtons verstärkt. Für Südkorea wächst damit der Anreiz, militärisch eigenständiger zu werden.
Spanien
Spanien geriet wegen seiner Verteidigungsausgaben und wegen seiner Weigerung, sich am Iran-Krieg zu beteiligen, ins Visier. Madrid widersetzte sich Trumps Forderung, die Nato-Staaten sollten ihre Ausgaben deutlich erhöhen. Trump reagierte mit scharfer Kritik und wirtschaftlichen Drohungen.
Golf-Staaten und Oman
Die Golf-Staaten waren besonders betroffen. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain, Kuwait und Oman haben ihre Sicherheit über Jahrzehnte eng mit den USA verknüpft. Sie kaufen amerikanische Waffen, beherbergen US-Streitkräfte oder arbeiten sicherheitspolitisch eng mit Washington zusammen. Gleichzeitig versuchen sie zunehmend, ihre Beziehungen zu China, Indien und anderen Mächten auszubauen.
Oman ist ein besonders spektakulärer Fall. Das Sultanat ist nicht nur ein langjähriger Partner der USA, sondern hat immer wieder als Vermittler zwischen Washington und Teheran gedient. Zudem gewährt es den USA Zugang zu strategisch wichtigen militärischen Einrichtungen. Drohungen Washingtons im Zusammenhang mit Iran und der Straße von Hormus setzen deshalb einen Partner unter Druck, dessen diplomatische Vermittlerrolle für die USA selbst von erheblichem Wert ist. Ähnlich erging es Pakistan.
Das Beispiel Omas zeigt allerdings auch, dass Trumps Attacken auch Täuschungsmanöver sein können. Im Mai drohte er erstmals mit Krieg gegen das Sultanat und erklärte: „Oman wird sich genauso verhalten wie alle anderen, oder wir werden sie in die Luft jagen.“ Am Montag legte er nach und erklärte, wenn Oman seinen Bemühungen um ein Abkommen mit dem Iran im Wege stehe, „werden wir sie in Schutt und Asche legen“. Zugleich aber haben die US-Streitkräfte einen heimlichen Korridor in der Straße von Hormus errichtet – entlang der Küste von Oman.
Japan und EU
Auch Japan und die Europäische Union sind mit Zöllen, Handelsforderungen und dem amerikanischen Ruf nach höheren Verteidigungsausgaben konfrontiert worden.
Die meisten Verbündeten rätseln über die Entwicklung. Mitunter ist als Erklärung zu hören, ein echter „Bully“ gehe am liebsten auf die Schwächeren los. Doch wird erwartet, dass der Kurs jeder amerikanischen Administration auch in Zukunft darauf abstellen dürfte, US-Interessen ohne Rücksicht auf bestehende Beziehungen durchzusetzen – bis hin zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Partner.
Es wird nicht besser
Einer der möglichen Erben Trumps, Vizepräsident JD Vance sagte auf der Münchner Sicherheitskonferenz am 14. Februar 2025: „Die Bedrohung, die mir mit Blick auf Europa die größten Sorgen bereitet, ist nicht Russland, nicht China und auch kein anderer äußerer Akteur. Was mir Sorgen bereitet, ist die Bedrohung von innen.“
Allerdings ist nicht auszuschließen, dass in Kürze schon wieder alles anders ist. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj war mit Trump heftig aneinandergeraten – und hatte wenige Monate später wieder einen guten Draht ins Weiße Haus.
