Russland verschärft Ton gegen Großbritannien, Frankreich und Deutschland

Moskau droht offen mit Angriffen auf „britische Militäreinrichtungen in der Ukraine und darüber hinaus“. Donald Trump sagt, es gäbe „kein Problem“.

Nach einem russischen Luftangriff am 27. August 2026 nahe Boryspil in der Region Kiew steigt Rauch aus einem Lagerhaus auf. Der Angriff ereignete sich im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine. (Foto: Roman PILIPEY / AFP)

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hat am Donnerstag die Rhetorik gegenüber dem Westen drastisch verschärft. Laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass sagte die Sprecherin, London, Paris und Berlin seien direkt an den Terroranschlägen des Kiewer Regimes auf russischem Territorium beteiligt.

Russland handele völlig im Recht, wenn es auf ukrainische Angriffe mit britischen Waffen reagiere, indem es „britische Militäreinrichtungen und -ausrüstung in der Ukraine und darüber hinaus“ angreife, erklärte sie auf einer Pressekonferenz. Die Lieferung von Storm-Shadow-Marschflugkörpern an Kiew bestätige Großbritanniens direkte Beteiligung am Konflikt: „Die Geschichte der Storm Shadows verdeutlicht Londons Verwicklung in den Ukraine-Konflikt perfekt.“

Russland ist offenbar wegen der Ankündigung Großbritanniens aufgebracht, der Ukraine die notwendigen Informationen für die eigenständige Produktion von Storm Shadows zu liefern. Sacharowa: „Ich glaube, die Regierung von Andy Burnham ist sich der Konsequenzen bewusst. Sie versteht, wie die ukrainischen Streitkräfte Storm Shadows einsetzen würden, wenn sie die Möglichkeit hätten, ihr Arsenal aktiv aufzustocken – was unser Militär natürlich nicht zulassen wird. Aber London wird die Verantwortung nicht auf Kiews Marionetten abwälzen können.“

„Paris, London, Berlin tragen Verantwortung“

Sacharowa bezog in ihre Kritik auch Deutschland und Frankreich ein. Sie sagte, Großbritannien und Frankreich seien direkt an den „Terroranschlägen des Kiewer Regimes“ in Russland beteiligt. An die Regierungen gerichtet sagte sie: „Sie in Paris, London, Berlin und anderen Hauptstädten tragen als Teilnehmer an den Terroranschlägen direkte Verantwortung.“

Die von der Koalition der Willigen für Oktober/November angekündigte Übung der Besatzungstruppen in den an die Ukraine angrenzenden EU-Staaten ist in Wirklichkeit nichts anderes als „ein weiterer Schritt hin zu einer noch stärkeren Beteiligung der europäischen NATO-Staaten an dem Konflikt“.

Attacke gegen Finnlands Stubb

Eine besondere Attacke ritt die Sprecherin gegen den finnischen Präsidenten Alexander Stubb wegen dessen „Rechtfertigung der Angriffe Kiews auf zivile Ziele in Russland“: „Wenn er, im Bewusstsein, dass es sich um eine rein zivile Einrichtung handelt, deren Zerstörung rechtfertigt – und zwar nicht nur die Zerstörung der Infrastruktur, sondern auch die Tötung von Menschen –, dann ist er selbst ein Terrorist.“

Neue russische Angriffe auf die Ukraine

Sacharowas Warnungen fallen zeitlich mit einer neuen Welle russischer Raketen- und Drohnenangriffe in der Ukraine zusammen. Ziel der Angriffe waren laut Reuters wichtige Infrastrukturen, und mindestens ein Mensch wurde getötet und mehrere weitere verletzt. „Russland hat über Nacht einen massiven Angriff auf die Ukraine durchgeführt und Häfen, Getreidelager, Energieanlagen, Industrieanlagen und andere Infrastrukturen mit ballistischen und Hyperschallraketen sowie Kampfdrohnen angegriffen“, sagte Außenminister Andrij Sybiha auf X.

Die ukrainische Luftwaffe gab bekannt, dass die Luftabwehr sieben ballistische Raketen, einen Anti-Schiff-Marschflugkörper und fast 90 Prozent der anfliegenden Drohnen abgeschossen habe.

Herabfallende Trümmer beschädigten in Kiew eine Schule, zerschmetterten Fensterscheiben einer Gesundheitseinrichtung und verletzten zwei Menschen außerhalb der Hauptstadt. Angriffe auf Industrie- und Energieanlagen in der Region Poltawa führten zu Stromausfällen in sieben Ortschaften.

In Krywyj Rih und Saporischschja wurden Stahlwerke und Industrieanlagen angegriffen, wobei in beiden Städten sechs Menschen verletzt wurden. In Odessa wurden drei Menschen bei einem stundenlangen Angriff verletzt, der Hafenanlagen, eine Bildungseinrichtung und ein mehrstöckiges Gebäude beschädigte.

Trump: Es gibt kein Problem

Der amerikanische Präsident Trump erklärte am Donnerstag in einem Telefoninterview mit Axios, er sei nicht besorgt über einen möglichen russischen Angriff auf NATO-Staaten. Europäische Staats- und Regierungschefs hatten sich laut Axios besorgt gezeigt. Sie fürchten, dass Moskau die Entschlossenheit der NATO – und Trumps Bekenntnis zu Artikel 5 – durch einen begrenzten Angriff oder andere militärische Provokationen auf die Probe stellen könnte.

CIA-Direktor John Ratcliffe war am Dienstag in geheimer Mission nach Moskau gereist und traf sich mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Naryschkin. Mehrere Medien berichteten, der Besuch sei ein Versuch gewesen, Moskau vor einem Angriff auf ein NATO-Land zu warnen. Trump wies diese Berichte jedoch zurück und erklärte Axios, Ratcliffe habe keine solche Warnung ausgesprochen. Er sagte: „Ich bin überhaupt nicht besorgt. Es gibt kein Problem.“

Der Präsident bezeichnete Ratcliffes Reise als „Routinegeschäft“ und zeigte sich verwundert über die Medienberichte darüber. „Ratcliffe trifft seinen russischen Amtskollegen etwa alle sechs Monate oder einmal im Jahr. Sie haben ein sehr gutes Verhältnis. Es gab keine Botschaft und nichts Ungewöhnliches“, sagte Trump. Zwei Stunden später wurde Trump von Reportern erneut gefragt, ob die USA den russischen Präsidenten Wladimir Putin vor möglichen Angriffen auf NATO-Staaten gewarnt hätten. Trump wollte sich dazu nicht äußern, sagte aber: „Sie werden kein NATO-Territorium angreifen.“

Ob den Aussagen Trumps Glauben zu schenken ist, ist schwer einzuschätzen. Trump hatte im Zuge sowohl des Ukraine- als auch des Irankriegs mehrfach innerhalb kürzester Zeit widersprüchliche Positionen bezogen.

In Großbritannien bereitet die Regierung unterdessen die Bevölkerung auf das richtige Verhalten in Katastrophen- und Kriegsszenarien vor.

Russland plant nach Einschätzung europäischer Geheimdienste derzeit allerdings keinen militärischen Angriff auf einen europäischen Nato-Staat. „Die europäischen Dienste sehen generell keine Gefahr eines Angriffs Russlands auf europäische Länder, und diese Einschätzung hat sich nicht geändert“, sagte eine hochrangige EU-Beamtin am Donnerstag in Brüssel laut AFP.

About WNM Redaktion 543 Articles
Die Artikel des World News Monitor (WNM) werden von Redakteuren recherchiert und geschrieben. Die Technologie von NewsTech hilft beim Auffinden von Themen und bei der Vertiefung der Recherche. Vor jeder Veröffentlichung erfolgt eine finale Qualitätskontrolle durch einen Redakteur.