US-Luftwaffenminister Troy Meink sagte am 14. September bei der Air, Space & Cyber Conference in Maryland, die Space Force verfüge über „on-orbit space control weapons“. Auf Nachfrage erklärte er, die Formulierung sei bewusst gewählt worden. Zur Art der Systeme machte er keine Angaben. Laut Air & Space Forces Magazine sagte Meink auch nicht, ob es sich um kinetische oder nichtkinetische Waffen handelt.
Die Space Force verwendet „Space Control“ als Oberbegriff für militärische Maßnahmen gegen gegnerische Weltraumsysteme. Laut einem offiziellen Dokument der Space Force können die Wirkungen von Störung über Beeinträchtigung bis zur Zerstörung reichen. Genannt werden kinetische und nichtkinetische Mittel sowie reversible und irreversible Wirkungen.
„Irreversibel“ bedeutet dabei eine Wirkung, die nach Ende des Angriffs bestehen bleibt. Dazu zählt nach der Doktrin auch die Zerstörung eines Systems.
Laut dem Space-Force-Dokument „Space Warfighting – A Framework for Planners“ gehören dazu „Orbital Strike“, elektronische Kriegführung und Cyberoperationen. „Orbital Strike“ umfasst Angriffe, die gegnerische Raumfahrzeuge stören, beeinträchtigen oder zerstören können. Die Doktrin nennt Angriffe aus der Nähe und aus größerer Entfernung.
Welche dieser Fähigkeiten die von Meink genannten Systeme besitzen, teilte die US-Regierung nicht mit.
China und Russland
China zerstörte 2007 bei einem Anti-Satelliten-Test einen eigenen Wettersatelliten. Dabei entstanden Tausende Trümmerteile. Laut der Secure World Foundation hat China danach weitere Anti-Satelliten-Tests durchgeführt.
Russland zerstörte im November 2021 mit einer bodengestützten Anti-Satelliten-Waffe den Satelliten Cosmos 1408. Laut der Secure World Foundation entstanden dabei ebenfalls zahlreiche Trümmerteile.
China und Russland haben zudem Satelliten für Annäherungs- und Inspektionsmanöver im Orbit eingesetzt. Solche Aktivitäten sind in öffentlichen Berichten dokumentiert.
Eine direkte offizielle Reaktion der Regierungen Chinas oder Russlands auf Meinks Erklärung war zunächst nicht bekannt. Die russische Exil-Zeitung Meduza hat den Bericht aufgegriffen. Meduza zitiert die Weltraumexpertin Victoria Samson in einer Aussage in Defense One: „Dieses Eingeständnis ist sehr wichtig. Meines Wissens hat das noch kein US-amerikanischer Offizieller zuvor gesagt. Nun müssen die USA akzeptieren, dass Chinesen und Russen dasselbe tun oder sagen werden. Ich glaube nicht, dass dies im Interesse der nationalen Sicherheit der USA liegt.“
Verteidigungsexperten waren laut Defense One „von Meinks Eingeständnis schockiert und sagten, es werde wahrscheinlich die Hauptgegner des US-Militärs im Weltraum dazu veranlassen, ihre Fähigkeiten ebenfalls anzuerkennen“.
