Der Flydubai-Flug FZ1073 ist am 30. September von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als die Boeing 737 MAX 8 nahe der Grenze zwischen Jordanien und Saudi-Arabien stark an Höhe verliert. Nach ausgewerteten Flugdaten beginnt die Maschine gegen 5.21 Uhr GMT einen steilen Sinkflug. Innerhalb kurzer Zeit fällt sie von rund 34.000 auf etwa 15.000 Fuß. Um 5.28 Uhr sendet sie den Notfallcode 7700, sieben Minuten später den Code 7500 für eine unrechtmäßige Einwirkung auf das Flugzeug. Danach nimmt sie Kurs auf Saudi-Arabien, berichtet Al Jazeera.
Die Flugsicherung in Tabuk erhält nach Angaben des Flughafens um 8.44 Uhr Ortszeit den Antrag auf eine Notlandung. Um 9.45 Uhr setzt die Maschine sicher auf. Kapitän und Erster Offizier sind verletzt und werden ins Krankenhaus gebracht. Die Passagiere fliegen später mit einer Ersatzmaschine weiter, berichtet die Saudi Gazette.
Netanyahu: Co-Pilot greift Kapitän an
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärt, der Co-Pilot habe den Kapitän mit einem Messer angegriffen und offenbar versucht, die Maschine zum Absturz zu bringen. Passagiere und Crewmitglieder hätten den Angreifer überwältigt. Ein gezielter Absturz- oder Entführungsversuch ist bislang nicht unabhängig bestätigt, berichtet Al Jazeera.
Israelische Quellen bezeichnen den festgenommenen Co-Piloten als omanischen Staatsbürger. Der Mann stamme nach ersten israelischen Ermittlungen aus dem Oman, berichtet die Jerusalem Post. Eine unabhängige Bestätigung seiner Staatsangehörigkeit liegt bisher nicht vor; ob er eine weitere besitzt, ist nicht bekannt. Aus Oman selbst gibt es zunächst keine öffentliche Stellungnahme.
Beim verletzten Kapitän handelt es sich bestätigt um den indischen Staatsbürger Smit Machchhar. Die indische Botschaft in Riad erklärt, er werde in Tabuk behandelt und befinde sich in stabilem Zustand, berichtet die Khaleej Times.
Passagiere berichten von Schreien, Blut im Cockpit und einem plötzlichen Sturzflug. Die israelische Luftwaffe lässt nach dem Code 7500 Kampfflugzeuge aufsteigen, berichtet die Times of Israel.
Mitreisende Flydubai-Crew übernimmt
An Bord befinden sich weitere Flydubai-Crewmitglieder. Nach Angaben der Fluggesellschaft sichern sie das Flugzeug, übernehmen die Kontrolle, leiten es nach Tabuk um und landen dort. Flydubai bestätigt eine „Auseinandersetzung im Cockpit“, erklärt aber, Gründe und Motive seien unbekannt und Gegenstand einer formellen Untersuchung. Die Fluggesellschaft ruft dazu auf, von voreiligen Spekulationen abzusehen, berichtet die Khaleej Times.
Auch die Luftfahrtbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate erklärt, die operativen und sicherheitsrelevanten Umstände würden untersucht. Die Behörde fordert dazu auf, keine inoffiziellen Informationen zu verbreiten und den Ergebnissen der Ermittlungen nicht vorzugreifen, berichtet die Khaleej Times.
Saudi-Arabiens Behörden bestätigen die Notlandung, die Verletzungen der beiden Piloten und laufende Ermittlungen, nehmen aber zunächst keine öffentliche Bewertung des Motivs vor. Flydubai setzt die Flüge von und nach Israel vorübergehend aus, berichtet die Khaleej Times.
Israelische Minister sprechen von Terroranschlag
Israels Verteidigungsminister Israel Katz bezeichnet den Vorfall als „versuchten dschihadistischen Terroranschlag“. Nach den ersten israelischen Informationen habe der Angreifer das Flugzeug mit allen Menschen an Bord zum Absturz bringen wollen, berichtet die Times of Israel.
Der radikal-religiöse Minister für Nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir erklärt ebenfalls, es habe sich um einen Terroranschlag gehandelt, und fordert eine Intensivierung der israelischen Militäroperationen in der Region, berichtet die Times of Israel.
Der ebenfalls den religiösen Extremisten zugehörige Finanzminister Bezalel Smotrich sagt: Wer versucht habe, ein Flugzeug zum Absturz zu bringen und 180 Israelis zu töten, müsse so behandelt werden, als hätte er sie getötet. Das müsse auch für jeden Staat oder jede Terrororganisation gelten, die ihn geschickt habe. Es gibt derzeit allerdings keine Belege dafür, dass der mutmaßliche Angreifer von einem ausländischen Akteur unterstützt werde, berichtet die Jerusalem Post.
Israelische Ermittler, die den Vorfall an Bord einer Flydubai-Maschine auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv untersuchen, schließen nicht aus, dass der Pilot geplant hatte, in einen Wolkenkratzer in Israel zu stürzen, berichtet der britische Telegraph unter Berufung auf Quellen.
Israel sieht Angriff auf die Abraham-Abkommen
Das israelische Außenministerium stellt den Vorfall in einen größeren politischen Zusammenhang. Generaldirektor Eden Bar Tal erklärt vor israelischen Botschaftern und Missionschefs, es habe sich um einen versuchten Terroranschlag „gegen Israelis, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Abraham-Abkommen“ gehandelt, berichtet die Times of Israel.
Die Abraham-Abkommen von 2020 begründen die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und den Emiraten. Der Flugverkehr zwischen Dubai und Tel Aviv gehört zu den sichtbarsten Folgen der Normalisierung.
Israels Außenminister Gideon Sa’ar spricht nach dem Vorfall mit seinem emiratischen Amtskollegen Abdullah bin Zayed Al Nahyan. Nach israelischen Angaben vereinbaren beide, die Beziehungen zu stärken und gegen extremistische Kräfte zusammenzuarbeiten. Die emiratische Darstellung fällt zurückhaltender aus: Abdullah erkundigt sich nach dem Zustand der Passagiere; beide Minister sprechen über die bilateralen Beziehungen und die Lage in der Region, berichtet die Khaleej Times.
Lapid wirft Regierung „billige Politik“ vor
Oppositionsführer Yair Lapid widerspricht dem Versuch, den Zwischenfall mit Sicherheitswarnungen Netanyahus vom Vortag zu verbinden. Bei seinem Sicherheitsbriefing mit dem Ministerpräsidenten sei „nichts auch nur annähernd Ähnliches“ angesprochen worden, sagt Lapid. Er wirft regierungsnahen Stimmen vor, den Vorfall politisch auszuschlachten, berichtet die Times of Israel.
Netanyahu hatte am Vortag vor möglichen Angriffen im Vorfeld der für den 27. Oktober angesetzten Wahl gewarnt. Lapid bestreitet, dass bei seinem anschließenden Sicherheitsbriefing eine konkrete Bedrohung dieser Art genannt worden sei.
Trump: „Vielleicht ein Terrorist“
Auch US-Präsident Donald Trump äußert sich nach einem Gespräch mit Netanyahu. Der Co-Pilot sei „vielleicht ein Terrorist“ oder möglicherweise ein „whack-job“ gewesen, sagt Trump im Weißen Haus. Er habe von Netanyahu und anderen gehört, der Mann habe das Flugzeug zum Absturz bringen wollen. Trump fügt hinzu, dafür lägen noch keine entsprechenden Informationen vor, berichtet die Times of Israel.
