Bundesaußenminister Johann Wadephul sieht keine „substanzielle Verringerung der amerikanischen Unterstützung“ für die Ukraine. Er sagte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin: „Ich gehe fest davon aus, dass die Vereinigten Staaten die Ukraine weiter unterstützen, wie sie es bisher getan haben.“ Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte sich zuvor dahingehend beschwert.
Wadephul sagte, die Vereinigten Staaten wollten „richtigerweise“ Gespräche zwischen Russland und der Ukraine im Rahmen des G20-Gipfels im Dezember in Florida herbeiführen. Europa wolle, dass die Gespräche zwischen den Kriegsparteien „möglichst schnell“ stattfinden. An Gesprächsbereitschaft auf Seiten der Ukraine und Europas mangele es nicht.
Wadephul kritisierte das Aussetzen der US-Sanktionen gegen Russland im Zuge des Diesel-Deals von US-Präsident Donald Trump mit Russlands Präsident Wladimir Putin: „Geschenke bestärken Putin auf seinem Kurs- Nur Härte schafft Gesprächsbereitschaft. Nur Härte ebnet den Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden.“
Selenskyj hatte den westlichen Verbündeten nach massiven russischen Angriffen auf die Ukraine am Mittwoch vorgeworfen, Kiew nicht vor den Attacken gewarnt zu haben. Nach ukrainischen Angaben war auch der Betrieb des US-Satelliten-Kommunikationssystems Starlink in der Nacht stark eingeschränkt. Die USA gaben an, dass schlechte Wetter den Einsatz behindert habe.
Russische Streitkräfte hatten „einen Großangriff auf Kommunikations- und Energieinfrastruktureinrichtungen in Kiew und den Regionen Kiew und Charkow gestartet, die den militärisch-industriellen Komplex der Ukraine unterstützen“, teilt das russische Verteidigungsministerium laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass mit.
Angriffe auf Energieanlagen
Rund 600.000 Menschen waren über Nacht ohne Strom, während 26 Energieanlagen und vier Öl- und Gasförderanlagen beschädigt wurden, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Ukraine meldete zudem eine plötzliche Drosselung der Starlink-Geschwindigkeit, die Militäreinsätze beeinträchtigte.
Präsident Selenskyj erklärte, Russland habe 39 ballistische Raketen und mehr als 120 Drohnen und Kamikaze-Drohnen auf Energie- und kritische Infrastrukturen in Kiew, der umliegenden Region und Charkiw abgefeuert. „Dies war ein gezielter russischer ballistischer Angriff speziell auf den Energiesektor.“
Der ukrainische Präsidentenberater Dmytro Lytwyn sagte lau Politico, Kiew habe den zweiten Tag in Folge keine Vorwarnung von Verbündeten erhalten. Die Luftwaffe gab an, keine Warnungen für die erste Serie nächtlicher ballistischer Angriffe erhalten zu haben.
US-Präsident Donald Trump wies die Behauptung zurück, der Austausch von Geheimdienstinformationen sei eingestellt worden: „Wir helfen ihnen und teilen Informationen.“
Abwehr von Shahed-Drohnen erschwert
Serhij Beskrestnow, Berater von Präsident Selenskyj in Verteidigungstechnologie, schrieb in einem Facebook-Beitrag, SpaceX von Elon Musk habe die Geschwindigkeit der beweglichen Terminals, die StarShield, seinen militärischen Dienst, nutzen, auf 160 km/h begrenzt. Die ukrainischen Streitkräfte seien nicht vorgewarnt worden, sagte er, und die Einschränkung habe mehrere Missionen behindert. Er vermutete einen Zusammenhang mit der „aktuellen politischen Lage“.
„Starlink wird in der derzeit effektivsten Lösung zum Schutz unseres Luftraums vor strahlgetriebenen Shaheds eingesetzt“, schrieb Bezkrestonv in einem späteren Beitrag. „Durch ihr Vorgehen berauben uns unsere Partner einer der wenigen Möglichkeiten, das Land gegen strahlgetriebene Shaheds zu verteidigen“, fügte er hinzu.
