EU in der Arktis: Umwelt ist plötzlich zweitrangig

Im Umgang mit der Arktis geht es der EU vorrangig um Sicherheitspolitik, Militär und Rohstoffe. Für das sensible Ökosystem bedeutet das nichts Gutes.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas (Mitte) und der finnische Ministerpräsident Petteri Orpo, im Wissenschaftszentrum Arktikum in Rovaniemi, Finnland, am 14. September 2026. (Foto: Jouni Porsanger / Lehtikuva / AFP)
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas (Mitte) und der finnische Ministerpräsident Petteri Orpo, im Wissenschaftszentrum Arktikum in Rovaniemi, Finnland, am 14. September 2026. (Foto: Jouni Porsanger / Lehtikuva / AFP)

Die Arktis wird für die EU vorrangig zur Sicherheits- und Wirtschaftsfrage. Beim europäischen Arktis-Gipfel im finnischen Rovaniemi standen Russlands militärische Präsenz, Chinas wachsendes Interesse an der Region, neue Schifffahrtswege und Rohstoffe im Mittelpunkt. Die EU will ihre Arktisstrategie entsprechend überarbeiten.

Bundeskanzler Friedrich Merz rückte die militärische Bedrohung in den Vordergrund. „Hier im hohen Norden Europas kann man sehen, wie gefährdet der Frieden in Europa ist“, sagte er laut Bundesregierung beim Gipfel. Europa müsse in der EU und in der NATO zusammenhalten und alles Notwendige tun, „um unsere Freiheit zu verteidigen und den Frieden zu bewahren“.

Auch EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verwies auf den wachsenden Großmachtwettbewerb. „Der Klimawandel hat enorme Auswirkungen und eröffnet zugleich einen neuen geopolitischen Wettbewerb, etwa um maritime Routen“, sagte Kallas laut dem offiziellen Mitschnitt der EU-Kommission. Russland reaktiviere ehemalige sowjetische Militärbasen und halte Raketenübungen im hohen Norden ab. Auch China interessiere sich zunehmend für die Region. Die neue EU-Arktisstrategie werde deshalb „die Sicherheit in den Mittelpunkt stellen“.

Das ist ein deutlicher Wandel gegenüber der früheren EU-Politik. 2016 waren die drei Schwerpunkte noch Klimawandel und Umweltschutz, nachhaltige Entwicklung sowie internationale Zusammenarbeit. Forschung und Wissenschaft spielten dabei eine zentrale Rolle. Auch 2021 stellte die EU Klima- und Umweltschutz weiterhin weit nach vorn.

Umweltorganisationen warnen vor der zunehmenden Verbindung von Rohstoffinteressen und Militarisierung. „Die Arktis darf nicht zu einem weiteren Gebiet werden, das ausgebeutet wird“, erklärte Greenpeace Italien laut einer Greenpeace-Mitteilung vom Januar. Die Organisation forderte, militärische und rohstofffördernde Aktivitäten einzudämmen, um „Frieden und Natur“ zu schützen.

Greenpeace verweist darauf, dass das schwindende Eis Rohstoffe und neue Schifffahrtswege leichter zugänglich macht. Dadurch wachse der politische und wirtschaftliche Druck auf eine Region, die sich bereits deutlich schneller erwärmt als der Rest der Erde.

Die EU hält an Klima- und Umweltschutz als Teil ihrer Arktispolitik fest. In der neuen Strategie sollen Sicherheit, Verteidigung, Rohstoffe und wirtschaftliche Unabhängigkeit jedoch deutlich mehr Gewicht bekommen.

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