Felssturz in den Dolomiten: War es der Permafrost?

An der Tofana di Dentro bei Cortina d’Ampezzo sind große Felsmassen aus einer Steilwand gebrochen. Fachleute verweisen auf mögliche Zusammenhänge mit Temperaturschwankungen und tauendem Permafrost.

Der Felssturz von der Tofana. (Screenshot: Vigili del fuoco)
Der Felssturz von der Tofana. (Screenshot: Vigili del fuoco)

Ein massiver Felssturz hat am Sonntagnachmittag, 4. Oktober, die Tofana-Gruppe in den Dolomiten erschüttert. Große Gesteinsmassen lösten sich an der Nordseite der Tofana di Dentro westlich von Cortina d’Ampezzo. Über dem Gebiet stieg eine weithin sichtbare Staubwolke auf, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete.

Die Felsmassen gingen in Richtung Val Travenanzes ab. Nach Angaben der Bergrettung blieben sie auf einem Geländeband oberhalb des Talbodens liegen. Hinweise auf Verschüttete gab es nicht. Das Gebiet wurde mit Hubschraubern und Drohnen kontrolliert, berichtete Rai Veneto.

Rettungshubschrauber bereits in der Nähe

Zum Zeitpunkt des Felssturzes befand sich bereits ein Rettungshubschrauber in der Umgebung. Die Besatzung hatte zuvor eine 52 Jahre alte Wanderin aus Limana geborgen, die sich an der benachbarten Tofana di Rozes am Knie verletzt hatte. Sie wurde in das Krankenhaus Codivilla in Cortina gebracht, wie ANSA meldete.

Anschließend sollte der Hubschrauber gemeinsam mit Einsatzkräften der Guardia di Finanza die Abbruchstelle kontrollieren. Wegen der dichten Staubwolke war eine Annäherung zunächst nur eingeschränkt möglich.

Nach dem Felssturz ließ die Gemeinde Cortina den Wanderweg CAI 401 sowie Zugänge zur Val Travenanzes und den Bereich der Cengia Paolina sperren.

Ursache noch nicht geklärt

Warum sich die Gesteinsmassen an der Tofana di Dentro lösten, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Das italienische Forschungsinstitut CNR-IRPI ordnet den Abbruch in eine Reihe größerer Felsstürze ein, die sich in diesem Jahr in hohen Lagen der Alpen ereignet haben. Das Institut verweist dabei auf ungewöhnliche thermische Bedingungen und den Rückgang von Permafrost als mögliche Faktoren.

Forscher sehen Zusammenhang mit Temperatur

Auch der Südtiroler Landesgeologe Volkmar Mair verweist auf starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Wasser könne in Felsspalten eindringen, gefrieren und vorhandene Risse vergrößern, erklärte er gegenüber Rai Südtirol.

Eine im Januar 2026 veröffentlichte Studie von Forschern der Universität Mailand-Bicocca untersuchte Felsstürze und meteorologische Bedingungen in den Dolomiten über mehrere Jahrzehnte. Die Autoren fanden statistische Zusammenhänge mit Lufttemperatur, starken Niederschlägen und Temperaturschwankungen.

In Höhenlagen oberhalb von 2.000 Metern nahm in jüngeren Untersuchungszeiträumen zudem der Anteil der Felsstürze an nordseitig ausgerichteten Hängen zu. Die Forscher bringen diese Entwicklung mit auftauendem Permafrost in Verbindung.

Für den konkreten Felssturz an der Tofana di Dentro ist bislang keine eindeutige Ursache nachgewiesen.

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