Brasilien: Bolsonaro und Lula müssen in die Stichwahl

Brasiliens Präsidentschaftswahl wird in einer Stichwahl zwischen Flávio Bolsonaro und Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva entschieden – mit deutlichen regionalen Unterschieden und weitreichenden Folgen für Wirtschafts- und Außenpolitik.

Anhänger des rechtsgerichteten Präsidentschaftskandidaten Flavio Bolsonaro feiern am 4. Oktober 2026 in Porto Alegre die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl. (Foto: SILVIO AVILA / AFP)
Anhänger des rechtsgerichteten Präsidentschaftskandidaten Flavio Bolsonaro feiern am 4. Oktober 2026 in Porto Alegre die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl. (Foto: SILVIO AVILA / AFP)

Die Präsidentschaftswahl in Brasilien wird in einer Stichwahl entschieden. Nach dem ersten Wahlgang hat keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien treten der linksgerichtete Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und der rechte Senator Flávio Bolsonaro in einer Stichwahl gegeneinander an. Wie das Wahlgericht des lateinamerikanischen Landes nach Auszählung fast aller Stimmen mitteilte, erreichte keiner der beiden Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen. Bolsonaro lag demnach nach Auszählung von 98 Prozent der Stimmen mit rund 47 Prozent vor Lula, der rund 45 Prozent erreichte. Die Stichwahl ist für den 25. Oktober angesetzt.

Bolsonaro stark in São Paulo, Lula im Nordosten

Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. Bolsonaro schnitt besonders stark im wirtschaftlich bedeutenden Südosten ab. Im Bundesstaat São Paulo kam er im aktuellen Auszählungsstand auf rund 53 Prozent, Lula auf etwa 38 Prozent. Im nordöstlichen Bundesstaat Bahia war das Bild nahezu umgekehrt: Dort erreichte Lula rund 65 Prozent, Bolsonaro knapp 30 Prozent. Damit bestätigt sich erneut die starke regionale Polarisierung des Landes.

Finanzmärkte setzen auf Bolsonaro

Auch an den Finanzmärkten wird das Ergebnis aufmerksam verfolgt. Schon vor der Wahl hatten brasilianische Aktien von der Erwartung profitiert, dass Bolsonaro bei der Abstimmung stärker abschneiden könnte als zunächst angenommen. Der Ibovespa legte am letzten Handelstag vor der Wahl um 2,62 Prozent zu. Marktbeobachter rechnen nach Bolsonaros starkem Abschneiden mit weiter steigenden Aktienkursen, einem stärkeren Real und sinkenden langfristigen Zinsen. Dahinter steht vor allem die Erwartung, dass ein möglicher Bolsonaro-Sieg mit einem strikteren Sparkurs und einer marktfreundlicheren Wirtschaftspolitik verbunden sein könnte.

Eine tatsächliche Reaktion auf das Wahlergebnis steht allerdings noch aus: Die brasilianischen Finanzmärkte öffnen erst am Montag. Analysten weisen zudem darauf hin, dass für die längerfristige Entwicklung weniger das Wahlergebnis allein als vielmehr die konkrete Haushalts- und Wirtschaftspolitik des künftigen Präsidenten entscheidend sein dürfte.

BRICS oder stärkere Annäherung an die USA

Auch außenpolitisch stehen die Kandidaten für unterschiedliche Akzente. Lula setzt auf eine stärkere Rolle Brasiliens innerhalb der BRICS und auf eine multipolare Weltordnung. Seine Regierung hat die Beziehungen zu China, Indien und anderen Staaten des Globalen Südens ausgebaut und zugleich immer wieder die politische Eigenständigkeit Brasiliens gegenüber Washington betont.

Gerade unter US-Präsident Donald Trump war das Verhältnis zeitweise angespannt. Trump hatte Brasiliens Regierung und Justiz scharf kritisiert und sich öffentlich hinter den früheren Präsidenten Jair Bolsonaro gestellt. Flávio Bolsonaro tritt wiederum mit dem politischen Erbe seines Vaters an und betont die Bedeutung engerer Beziehungen zu Washington. Auch die Nachrichtenagentur AP beschreibt ihn als Trump-Verbündeten, während Lula im Wahlkampf die brasilianische Souveränität gegenüber Einfluss aus den USA in den Mittelpunkt stellte.

Jair Bolsonaro hatte bereits während seiner Präsidentschaft ein besonders enges Verhältnis zu Trump gepflegt. Trump verteidigte ihn auch nach dessen Amtszeit wiederholt öffentlich. Damit geht es in der Stichwahl neben Wirtschafts- und Innenpolitik auch um die außenpolitische Richtung des Landes: um eine Fortsetzung von Lulas stärker auf BRICS und den Globalen Süden ausgerichtetem Kurs oder um eine deutlichere Annäherung an die Vereinigten Staaten unter Bolsonaro.

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